Donnerstag, Oktober 20, 2005

Marokko für Selbermacher






Marokko für Selbermacher
Reisebericht einer Offroadtour nach Nordafrika Marokko 4/2004-04-10
Petra & Jürgen Baumann

Reisetagebuch:

8.4.04 Frankreich 9.4.04 Frankreich – Schlucht des Tarn (Cevennen)

Endlich mal Zeit für die Cevennen – sind schon öfters daran vorbeigefahren... diesmal geht´s mittendurch. Und das lohnt sich!Man nehme die fränkische Schweiz, multipliziere mit dem Elbsandsteingebirge. Dann noch mal zwei nehmen und schließlich hat man ungefähr die Cevennen.Canyons, Wildbäche, Kanufahren, Klettern – alles, was man in freier Natur unternehmen kann – hier ist es möglich.Eine Strassensperre konnten wir durch Autoroute Express 2004 geschickt umfahren. Gut, dass auch in Südfrankreich jeder Feldweg drauf ist... haarsträubend eng zwar, aber durchaus fahrbar. Am Fluss Tarn gilt sowieso: 2m breite und 3m Höhe sind nicht unbedingt von Vorteil... Die Felsen kamen teilweise fast durch das Beifahrerfenster herein. Zum Glück ist im April noch keine Saison, sodass wir nur wenig Gegenverkehr hatten. Mittagessen am Flussufer inmitten uriger Landschaft und toller Canyon-Landschaftt.Abends: Klettern an den Steilwänden (6+) und danach Hummergrillen vor dem Auto.(Freies Camping am Flussufer) und Fernsehabend.

10.4.04 Canyon des Tarn (Cevennen)- Fähre Seté

Nach ruhiger Nacht am Sandufer des Tarn fuhren wir ein paar Km zum Frühstücken im Cafe Fischer. Danach sah ich vom Auto aus die Geier der Cevennen kreisen. Es gibt wirklich jede Menge davon. Man sieht immer ca. 5-10 Geier gleichzeitig am Himmel. Um 11 Uhr machten wir uns daran, einen Geocache zu lösen. („La Vase du chefre“) in einem Seitental des Tarn. Wir begannen den Aufstieg in der Hoffnung, auf der Passhöhe auf einen vernünftigen Wanderweg zu treffen. Stattdessen erwarteten und Strickleitern und Kletterseile als Aufstieghilfen. Die Felsen waren glitschig und wurden zusehends senkrechter, sodass wir den Versuch, den Cache zu lösen auch wegen Zeitmangels aufgeben mussten.(Der Zielfelsen war schon in Sichtweite, aber unser Fähre nach Marokko würde wohl nicht auf uns warten...?!) Also den Berg wieder hinuntergekraxelt und die restlichen 50 Kilometer nach Sete in wirklich toller Landschaft zurückgelegt. Sete ist eine Hafenstadt wie andere auch – für uns kein besonderer Anziehungspunkt. Wir fanden das richtige Hafenbecken nach ca. 10 Minuten (Wie konnte man nur das große Schiff übersehen?) COMARIT stand da in 10m großen Lettern angeschrieben... Zufall, dass wir 3 Stunden vor Abfahrt schon hier waren – jedenfalls stand es klein auf der Ticketrückseite, dass dies der späteste Zeitpunkt des Erscheinens sein soll... Petra sagte, „das war Glück“. Ich meinet: „Das sind Erfahrungswerte – passt schon!“ OK, noch ein bisschen mit dem Ticket und Pässen von Pontius zu Pilatus und schon waren wir an Bord.

11.4.2004 Tag auf See

Ich glaube, wir waren die einzigen Deutschen an Bord. Die Verpflegung stimmte uns schon gut auf marokkanische Verhältnisse ein: Hammel, Suppenfleisch und wohlschmeckend gewürzte Suppen. Alle Passagiere bekamen von der Reederei eine „Beförderung“ in die nächsthöhere Kabinenklasse gratis. So hatten wir also eine große Kabine mit Dusche...

12.4.2004 Frühstück und Ankunft in Afrika.

STOP!
Unser Auto war so eingeparkt, dass ich durch das Seitenfenster einsteigen musste...Dann ging es irgendwann an Land: Afrika unter den Rädern! Aber vor den Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiss – oder den Zoll gesetzt.Also mit Pässen, Carte Grise (Die bei uns grün ist) – nicht zu verwechseln mit „Krise“! – den Pässen, dem GPS-Erlaubnisschein, dem Führerschein, dem Einfuhrdokument für Kfz und der grünen Versicherunskarte zu den jeweiligen Schaltern.Der eine Beamte schickte mich zum Nächsten. Dieser meinte: „da drüben, zur Police“.Die Polizei schüttelte den Kopf und ich begab mich wieder zum ersten Schalter. So ging das ein paar Mal, bis ich alle Beamten mit Vornamen kannte und einer sich erbarmte, die Daten in den PC zu tippen. Dann (nach 1,5 Std. ) ging es plötzlich ganz schnell: „Aha, aha – Madame is the driver?“ OK – nun noch den Wageninhalt des vor uns in der Schlange stehenden Ford Transit zur Seite geräumt und ... raus aus dem Hafen!Einmal quer durch Tanger (gut ausgeschildert) und ich wunderte mich, wie zivilisiert die Leute hier Auto fahren.
Ich hatte schon schlimmeres erwartet... oder macht das die einschüchternde Größe des Iveco? Wir hatten jedenfalls öfters Vorfahrt, als es uns zustand. Kein Problem also. Weiterfahrt durch eine überraschend aprilfrische Landschaft: überall grünte und blühte es – irgendwie sah es aus, wie im bayerischen Wald. Aber nicht ganz. Dort laufen die Männer nämlich nicht mit Schlafanzügen und Kapuze hinter ihren Eseln her. Es gibt dort auch nicht so viele Kinder und die Anzahl der Mercedes-Fahrzeuge dürfte auch viel geringer sein.Ich glaube, 50% aller jemals gebauten Mercedes 240D oder 300D fahren in Marokko. Zumindest bis Baujahr 1980. Es war schwierig, ein Fleckchen für eine Pause zu finden, ohne dass es einen Menschenauflauf gab. Daher entschieden wir uns für die Flucht nach Vorn: In Fes gibt es einen Campingplatz. (Der Erste Campingplatz für unseren Iveco seit dessen Fertigstellung!) Fes ist die älteste der marokkanischen Königsstädte und die mit dem meisten Trubel. Der GPS-Punkt, den wir ansteuerten, lag ca. 10 Km falsch.
Also liessen wir uns von einem Mofarocker bis zum Campingplatz lotsen. Kreuz und Quer durch Fes – Menschen rannten ohne Schulterblick auf die Strasse, LKW von links, Kreuzung, Polizei, Autos von rechts – Mofarocker legte eine Bremsspur hin – alles ging noch mal gut... Konzentrationsfähig ziemlich am Ende erreichten wir den Übernachtungsplatz und waren froh, mal eine ruhige Oase gefunden zu haben.

13.4.2004 Königsstadt Fes

Nach sternenklarer Nacht und mildem Froschkonzert frühstückten wir gemütlich bei strahlendem Sonnenschein. Die Temperaturen waren etwas niedrig, aber es war ja erst 9 Uhr morgens.Dann liessen wir uns einen sachkundigen Führer empfehlen – natürlich „Mohamed“ genannt – und stürzten uns in die Medina von Fes.Im Vergleich zu anderen Souks und Altstädten Nordafrikas ist die von Fes schon relativ eng und schmutzig. Nur Esel und Menschen schaffen es durch die teils dunklen Gassen.Darin enthalten sind viele Moscheen, Teppich- Brokatknüpfereien, Lederverarbeitung, Kesselflicker, Kupferstecher und so weiter...
Interessant der Blick auf´s Gerberviertel. Natürlich aus geruchstechnisch vertretbarer Distanz. Taubenmist ist nur eine der vielen Zutaten, die dort verwendet werden... Der Ausblick wurde mit dem Kauf zweier Gürtel bezahlt. Natürlich maximal 50% des geforderten Preises. Der Händler war dennoch zufrieden – was mich ein wenig misstrauisch stimmte.Dafür wurden wir aber beim Dschellabah-Kauf (Landesübliche Kapuzentracht – auch „Marokkanischer Schlafsack“ genannt) vom Verkäufer schließlich entnervt rausgeschmissen. DAS war wohl ein gutes Geschäft! Unser „Mohamed“ fragte, ob ich das Feilschen bei den Berbern gelernt hätte?
- Hatte ich nicht, aber Tunesien- und Türkeierfahrungen wurden gnadenlos eingesetzt. Im Teppichgeschäft erklärte ich, dass wir schon die ganze Wohnung voller Teppiche hätten und konnte auch noch mit deren Preisen aufwarten. Nach einem Tee wurden wir freundlich entlassen... ;-) Couscous als Mittagessen schmeckte uns besser, als damals in Tunesien –war aber auch deutlich teurer. OK, das Kulturprogramm war etwas hart – dafür soll ab morgen wieder „back to nature“ folgen: Auf in´s Atlasgebirge. Den Nachmittag verbrachte ich unter dem Auto – auf der Spur eines merkwürdigen Vorderreifenklackerns – wieder mal ohne Erfolg. Nach und nach kramten alle Campingplatzbewohner ihre Schraubenschlüssel hervor – plötzlich hatten alle etwas zu reparieren...

14.4.2004 Fes-Rheris-Schlucht

Heute ging es quer durch das Atlasgebirge. Interessant, sandige Berge und im Hintergrund schneebedeckte 3000er zugleich zu sehen.Ausgedehnte ......------wälder erstreckten sich südlich von Fes. Darin zogen Nomaden in ihren schwarzen Stoffzelten von Weideplatz zu Weideplatz umher.Bei strahlendem Sonnenschein kamen wir auf guten Strassen zügig voran und bogen südlich von Midelt bei Rich in eine Wildwest-Schlucht ab. Überhaupt erinnerte die Landschaft schon den ganzen Tag über an US-Western. Verschiedene Gesteinsarten von rotem Sandstein bis schwarzem Lava ergaben
immer neue, interessante Gebirgszüge.
Eine Tolle Schlucht ist die Rheris-Schlucht: Kaum befahren und touristisch fast unberührt. Reifendruck abgesenkt und los geht´s.Zu Anfang noch durch Ortschaften voller winkender Menschen – später einfach durch´s Flusstal. Zum Glück war der Fluss fast ausgetrocknet und Regen war auch nicht in Sicht.Am Ende des Tals fanden unsere mitgebrachten Kleidungsstücke reissende Abnahme bei den armen Leuten hier. Auch zum Abendessen hatten wir Gäste: Zwei Mädchen aus dem Ort um die Ecke. (Wie hatten die uns so schnell aufgespürt?) Unsere Rollmöpse verschmähten sie zwar, aber die marokkanischen Kartoffeln kamen ganz gut bei Ihnen an. Ich stellte fest, dass beide kein arabisch sprachen – nur Berberdialekt.
Auch ihr Lebensalter kannten sie nicht. Da realisierte ich erst, wo ich hier gelandet war... dennoch klappte die Konversation mit Hand und Fuss ganz gut. Kaum waren die beiden gesättigt und mit kleinen Geschenken verabschiedet, als auch schon die nächsten Besucher vor der Tür standen: Ein Viehhirte und kurz darauf ein Kumpel aus dem Dorf. (Unsere Ankunft musste sich schnell herumgesprochen haben) Ich hatte es inzwischen aufgegeben, den Iveco verstecken zu wollen – man wird ja doch überall aufgespürt. . ;-)OK, also einen kleinen Plausch mit dem Viehhirten – nebenbei bemerkt, dass er wirklich bettelarm war. Nach ein paar Minuten fragte er nach Wasser. Gut – ich zeigte ihm grinsend eine Wasserflasche. Darauf er: „Noooo, nonono!“ Ich hielt aber schon einen Trumpf in der andere Hand: 3 kleine Bierflaschen aus unserer Kühlbox. Das war wohl schon eher die Art von Wasser, die er (und sein Kumpel) sich vorgestellt hatten. Dazu noch eine Hand voll Zigaretten und schon sassen wir entspannt am Campingtisch.
Nur gingen unsere Biervorräte langsam aber sicher zur Neige – ich nahm mir jedes Mal vor, kein Bier mehr rauszugeben... aber was will man machen...?!Wir wollten ja wieder mal eine Reise mit Kontakt zu Land UND LEUTEN machen. Bitte schön!

15.4.2004 Rheris-Schlucht-Dades

Wir hatten noch den Schlafplatz gewechselt, weil sich unser Aufenthalt schon ziemlich herumgesprochen hatte. Also verließen wir die Piste in ein Qued (Ausgetrocknetes Flusstal) und verschwanden hinter einer Biegung. Der Fluss war komplett trocken und es sah nicht nach Regen aus – also kein Problem.Am Morgen wurden wir von 3 Eseltreiberinnen geweckt, die laut knirschend an uns vorüberzogen.Nach dem Frühstück fuhren wir ca. 100 Kilometer auf guter Strasse nach Goulima/ Tinehir / Boulmane um in die Gorges du Dades zu gelangen (Dades-Schlucht)Die Dades-Schlucht ist recht malerisch mit roten Grand-Canyon-Felsen und grünen Oasenflächen im Tal. Kasbahs und Lehmdörfer runden die Kulisse stilvoll ab.
Am Ende der Schlucht fanden wir ein nettes Hotel mit angeschlossenem Campinggelände. Wir und ein Auto aus Spanien waren die einzigen Camper an diesem Tag.Während wir 1,5 Std. auf unsere Tajine (Marokkanisches Nationalgericht) warteten, lernten wir den Brasilianer Carlos aus Rio kennen, der in Berlin bei der bras. Botschaft arbeitet. Dazu noch Didier, einen weissen Marokkaner, den wir für einen Franzosen gehalten hatten. Auch er erklärte uns, dass der Unterschied zwischen Berber und Marokkanisch ungefähr so gross sei, wie zwischen Deutsch und Chinesisch.


16.4.2004 Tag des Grauens.

Erster ungewaschener Blick aus dem Fenster... der Spanier winkte freundlich und meinte: „Buenos dias, amigo – mire te pneumatico – it is totally flat!“Ich schaute aus dem Fenster und bemerkte, dass das rechte Hinterrad platt war. Danke schön – das erklärte die Schlagseite beim Schlafen...Also Werkzeug raus und ran. Ich dachte, vielleicht sei das Ventil beim Luft ablassen verkantet worden. Also aufgepumpt (bei 2000m Höhe kein Vergnügen) – aber das Ventil war dicht. Luft strömte zwischen Ventil und Dichtgummi heraus.Also die tollen Sprengingfelgen: Einfach den Reifen abziehen, ohne Abmontieren der Felge.(Dachte ich jedenfalls).
Leider war der Reifengummi irgendwie mit dem Hinteren Felgenrand verklebt und ließ sich nicht lösen.Also den Reifen runter. Erstmal gründlich das Bordwerkzeug mit 1Meter-Verlängerung verbogen und die 27iger Mutter verballert. Dann unter Mithilfe von weiteren 3 (!) Leuten endlich die 6 Radmuttern lösen können. Zum Glück fanden wir ein Stück Baustahl in einer Ecke. Damit und unter heftigen spanisch-marokkanisch-deutschen Tritten liessen sich die Muttern schließlich öffnen. Ersatzreifen draufmontiert und mit der Hoffnung auf die nächste Werkstatt losgefahren.Leider haben die Leute hier Freitags ihren Sonntag und somit ist ziemlich alles geschlossen.Na ja – dachte ich – wird schon nicht so schlimm werden.
Aber was dann an Pisten auf uns zukam, hätte ich mir nicht so krass vorgestellt. Um es kurz zu machen: Die Reifen hielten durch bis zum Abend.Ich hätte mir die Dades-Todraschlucht etwas milder vorgestellt – wir fuhren ca. 150 Kilometer ziemlich üble Pisten. Ich würde schätzen, 80% im ersten und zweiten Gang ( über 90 Grad Wassertemperatur – selbst beim bergab Fahren.). Dann noch Schlamm, Schräglagen zum Abwinken, Furten, Geröllhalden, Kopfgroße Steinbrocken, 3000m hohe Pässe (Durch Schnee!) und auch noch die ein oder andere „Ehrenrunde“ – mangels vernünftiger Karten und eines Totalausfalls des GPS-Empfängers. (Komplett-Reset: ALLES auf Null. Danke, Garmin!) Somit waren die ganzen gesammelten Wegpunkte gelöscht. Unsere Landkarte Druckdatum 1972 trug wohl auch wieder mal ein Übriges zur Perfektionierung der Orientierungslosigkeit bei.
Das Problem sind die vielen Seitentäler und die Mäander, die z. B. ein Fahren nach Kompass unmöglich machen. Aber eigentlich kein Problem: Man hält einfach IRGENDWO auf 3000m Höhe in absoluter Einsamkeit an, steigt kurz aus und macht ein Foto – und nach 5 Minuten taucht ein hilfsbereiter Ziegenhirte auf und nach kurzem Austausch von Informationen und Zigaretten geht es auch schon weiter. So viele Kugelschreiber, Kleidungsstücke, Zigaretten und Kaubonbons wie heute hatten wir bisher noch nicht ausgeteilt. Wenn das so weitergeht, kommen wir nackt und hungrig zuhause an... Hatte ich schon erwähnt, dass wir sogar einmal durch einen großen Haufen frischen Zements fahren mussten, den Leute vor ihrem Haus ausgebreitet hatten? Später mussten wir warten, bis ein Feld bewässert war und versorgten derweil das halbe Dorf mit Lebensmitteln...(Dauerte 10 Minuten)Im Bereich Tamattouchte waren die Kinder darauf spezialisiert, große Steinblöcke vor uns von der Strasse zu rollen – natürlich in Erwartung einer kleinen Spende. Hinter uns wurden die Steine gleich wieder zurückgerollt...

Trotz all dieser Widrigkeiten erreichten wir einen sehr schönen Campingplatz hinter Tamattouchte und konnten endlich unsere Thüringer Rostbratwürste mit Zwiebeln und Brot grillen. Danach gab es einen „Whiskey marocaine“ = Schwarzer Tee mit viel Zucker – stilecht im Berberzelt. Eine echte Wohltat nach diesem „Tag des Grauens“...Am nächsten Tag soll es auf echtem Asphalt weiter durch die Todraschlucht gehen.(Ich hatte für Dades&Todra ein paar Stunden gerechnet – anscheinend werden es aber doch 3 Tage...auch wegen des längeren Wegs über Agoudal.) In der nächsten größeren Stadt will ich den Reifen flicken lassen und dann weiter gen Süden fahren – die „richtigen“ Pisten kommen noch...

17.4.2004 Todra-Schlucht – Merzouga

Nach dem Frühstück fuhren wir durch die schöne Todraschlucht. Es ging auf geteerter Strasse bequem bergab, sodass wir entspannt dahingleiten konnten. Am Ende der Todraschlucht fanden wir einen Reifenservice, der sich trotz nicht ausreichend dimensionierter Maschinen um unser Reifenproblem kümmerte. Mit Hammer und Meissel wurde der Gummi von der Felge getrennt und die Macken danach mit einem Winkelschleifer glattpoliert. Es fand sich ein kleines Loch im Schlauch – aber kein Gegenpart im Mantel des Reifens... Ursache also ungeklärt. Das gefiel mir gar nicht. Ich half bei der Reparatur tatkräftig mit und achtete darauf, dass alles schön sandfrei zusammengesetzt wurde – soweit das unter diesen Bedingungen überhaupt möglich ist... Nach 1,5 Stunden mit Reparaturarbeiten, Tee und gefüllten Fladenbroten verabschiedeten wir uns von der netten Familie (und von 150 Dirham = 15 Euro). Ich traute dem Reifen noch nicht – sollte aber in den folgenden Tagen dieses Vertrauen zurückgewinnen. Am Nachmittag erreichten wir Erfoud – eine grössere Stadt in der wir auf Wein- und Biervorkommen hofften.Es dauerte 5 Minuten und schon hatten wir einen Stadtguide, der uns zur Quelle des marokkanischen Weinhandels führte. Ein großes Hotel verfügte über einen Wein- und Bierkeller, zu dem uns ein Dealer hinter einer Stahltüre Zutritt verschaffte.Auf der Strasse trafen wir dann noch Mohammed.
Dieser bot sich als Führer für die Strecke Erfoud-Zagora und somit als Dünenguide an.Seine Dienste waren nicht billig, aber er verfügte wirklich über das Berber-GPS. (Im Kopf).Frisch von der Strasse weg engangiert, fuhren wir fortan zu dritt weiter.„Macht Euch um mein Essen, Trinken, Schlafen keine Gedanken – ich bin ein Mann der Wüste! –Wüstenfuchs!“ sagte Mohammed. Also fuhren wir gleich einen Nicht-Touristenpfad „hintenrum“ zum Erg Chebbi (Sandwüste mit Dünen). Petra und ich fuhren noch mal „allein“ zu den Dünen.
Wollten den Sonnenuntergang anschauen und Sand anfassen.Es dauerte 2 Minuten und wir hatten uns ausser Sichtweite von Mohammed im Fesch-Fesch (Weichsand) festgefahren. ...und dabei hatte der Untergrund doch sooo fest ausgesehen...Ich versuchte mit Hilfe aller technischen Tricks, den Wagen zu befreien – jedoch vergebens.Wir wühlten uns immer tiefer in den Sand hinein. OK – also Schaufel und Sandbleche einsetzen. Das klappte beim ersten Versuch: Wieder festen Boden unter den Rädern sahen wir auch schon Mohammed auf einer Düne erscheinen. Er hatte unsere Staubwolke gesehen und folgerichtig auf Probleme getippt.
Wir konnten ihn beruhigen – alles wieder unter Kontrolle. Abends entpuppte sich der „Mann der Wüste“ als Weinkenner und plünderte unseren Vorrat um insgesamt 5 Flaschen. Zum Schluss gab es eine Trommelvorstellung mit allen Mitgliedern der Campingplatzangehörigen. Unnötig, zu erwähnen, dass echte Paris-Dakar-Veteranen darunter waren. Einer wurde uns als „Kubaner“ vorgestellt. Nach ein paar spanischen Sätzen gab er aber zu, in der Nachbarschaft geboren zu sein... Es war ein lustiger Abend und wir hatten Mühe, am nächsten Morgen um 8 Uhr fit für die Abfahrt zu sein. Link zu den Leuten


18.4.2004 Merzouga – Zagora (ca. 300 Kilometer Piste)

Der Tag war hart – für Mensch und Maschine.Die Piste wechselte zwischen Hammada (Steinwüste), Schotterebenen, Weichsandpassagen und Flussbetten. Zur Veranschaulichung kann man sich vorstellen, von Frankfurt nach München im 2. Gang Querfeldein zu fahren. Das dürfte in Etwa so hinkommen.Der Iveco wurde 10 Stunden lang brutal durchgerüttelt – mich wunderte, dass nicht alles auseinanderfiel. Die Weichsandfelder meisterten wir im (kurzen) 2. Gang, Differentialsperre, Allrad und 10 Minuten Vollgas. Einmal schalten oder Schwung verlieren hätte unweigerlich langes Schaufeln und viel Arbeit bedeutet.
Bis auf eine Dünenauffahrt gelang es uns aber ohne Zwangspausen. Es ist schon faszinierend, wie der Sand dem Fahrzeug den Vortrieb entzieht – als ob jemand von hinten ein Gummiseil angebunden hätte.Die Strecke Merzouga-Zagora ist Teil der Rallyestrecke Paris-Dakar.
Unser Guide erklärte nicht ohne Stolz, dass „die auch immer über diese Dünenfelder fahren...“ – und dass da eine deutsche Frau mitfährt...Wie auch immer: Leider hatten wir keinen Servicetruck mit Mechanikern und Ersatzteilen dabei, daher mussten wir etwas Vorsicht walten lassen und Kleinigkeiten selbst reparieren.(Z. B. der drei mal abvibrierte Zyklonluftfilter, der dabei war, sich durch die Motorhaube zu arbeiten oder das Öl unter dem Wagen, dass sich als überflüssiges Wasser entpuppte...) . Zum Ende hatte die Wüste noch ein Schmankerl für uns zu bieten:Sandsturm mit Gewitter und Hagel nach einem Temperatursturz von 30 auf 15Grad Celsius.Auf einmal waren die umliegenden Berghänge weiss von Hagelkörnern – Schnee in der Wüste – gibt´s das? Von der zweiten Etappe Zagora-Fom Zguid nehmen wir aus Mitleid mit dem Fahrzeug Abstand. Laut einhelliger Meinung ändert sich das Landschaftsbild kaum – und warum noch mal 150Km Piste abspulen? Wir fahren wohl in Richtung Quarzazate – Strasse der Kasbahs und nehmen die ein oder andere kleinere Piste unter die Räder.

19.4.2004 Zagora – Foum Zguid (120Km Piste)

Also doch: Was soll´s – wir fuhren nun doch die obengenannte Piste. Armin und Oliver, die wir auf dem Campingplatz kennengelernt hatten, fuhren vor und wir trafen uns dann zufällig auf der Piste wieder. Mit zwei Fahrzeugen fährt es sich doch irgendwie sicherer, auch was die Orientierung betrifft.Die zwei Jungs waren mit einem VW-Allradbus unterwegs, der ebenfalls wüstentauglich ausgerüstet war. Die Piste war recht ruppig, wies aber keine Sandpassagen auf. Ich wusste nicht, ob ich das jetzt vermisst hatte oder froh darüber war...Jedenfalls beschäftigte uns ein zischendes Geräusch aus unserem linken Vorderreifen wieder einmal einige Zeit lang: Ja, richtig geraten: der nächste Plattfuss.Und wieder das typische Problem mit den Radmuttern, die anscheinend mit 500Nm festgezogen waren. (Oliver, der Ingenieur im Team hatte diesen Wert aus ca. 80Kg Gewichtskraft auf einem 1,5m langen Hebel im Kopf geschätzt.)
Was nun 500Nm mit einer 27iger Nuss, einem Adapterstück von Stahlwille und einer gehärteten Verlängerungsstange von Gedore (?) anrichten können, erlebten wir nach 2-3 Versuchen: Der Verbindungsbolzen wurde einfach abgeschert...Nach verschiedenen anderen Versuchen mit Hammer & Gabelschlüssel, Baustahl und Bordwerkzeug funktionierte schließlich ein beidseitiger Hebel auf die Originalverlängerung aufgesteckt...
OK, Reifen also schließlich doch noch gewechselt.Nach 120 Km Piste durch teils steile Queds mit sehr schönen Fahrtechniken ( z. B. Steigungen auf drei Rädern – Vorderrad einen halben Meter in der Luft) erreichten wir Foum Zguid. Dort sehr freundliche Bevölkerung, aber kein Campingplatz. Also fuhren wir 1Km ausserhalb der Ortschaft rechts auf ein paar Lehmruinen zu und fragten einen herumliegenden Einheimischen, ob Camping ein Problem sei? „Camping ici cést Par de Problem“ war die Antwort.
Bis wir unsere Tische rausgestellt hatten, kam der ältere Aufpasser (?) schon mit einem Tablett und frischem Minztee an. Also waren wir anscheinend willkommen.Später stellte sich heraus, das eines der Gebäude als Militärposten genutzt wurde.Der Alte wollte unsere Passnummern und die Autokennzeichen und alles war OK.Wir assen zusammen mit Armin und Oliver zu Abend und unterhielten uns angeregt über Gott, die Welt und alles, dazwischenliegende.

20.4.2004 Foum Zguid – Cascades de Tizgui

Am Morgen kam der von uns inzwischen „Militärattache“ getaufte Einheimische prompt wieder mit einem Tablett voller Tee an. Ich fragte, wo denn die Croissants seien?Gut, dass er mich nicht verstand. Ein paar Zigaretten und die Sprachbarrieren waren wieder mal beseitigt. Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von Armin, Oliver und unserem Militärattache.Die Jungs fuhren weiter nach Westen. Petra und ich wollten nach Norden in Richtung Quarzazate fahren. Die Strasse 6951 entpuppte sich wieder mal als Piste – na ja, kein Problem. Die letzte Hälfte nach Agdz war schon, bzw. wurde gerade geteert.Wir nahmen zum ersten Mal einen einheimischen Anhalter mit – ein Minenarbeiter, der nach 10 Stunden unter Tage nun endlich in sein Bett wollte...
Die Einladung auf eine Tasse Tee konnten wir nicht ausschlagen und so landeten wir in seines Vaters´ gemütlichem Wohnzimmer. Trotz der üblichen Sprachbarrieren unterhielten wir uns recht gut und irgendwann kam (von beiden Seiten unbeabsichtigt – da bin ich mir sicher) das Gespräch auf das Leben hier im Tal.Mustafa erzählte, dass die Einwohner hier von den Minen und vom Tauschhandel lebten und fragte, ob wir nicht etwas zum Tauschen im WoMo hätten.Ich überlegte kurz und frage, was er sich denn so vorstellte?
„In Shallah... Bier, Wein, Klamotten“ beispielsweise war die Antwort.
Auf die Frage, was er denn zu bieten habe, kam „Silberdolche, Silberschmuck und/oder Teppiche aus Hauseigener Herstellung“. Hörte sich gut an und so kamen wir zu einem Berberteppich in Safranfarbe – im Tausch gegen die Obengenannten Dinge, sowie eines Rucksacks und einer vernünftigen Zuzahlung in Euro. Weiter ging die Fahrt zu den Cascades de Tizgui, die uns von Campern empfohlen wurden.(Steht auch im Därr-Führer drin).Ganz nette Bademöglichkeit in teils sehr enger Schlucht. Dazu noch die Gastfreundschaft von Omar, einer interessanten Berber-Hippie-Mischung. (Omar lebt seit 20 Jahren in dieser Schlucht und ist ein (fast) richtiger Einsiedler.)Wir lernten hier noch Elli kennen, die alleine mit VW-Bus, ihrem 2-jährigen Sohn, sowie 2 großen Hunden seit 3 Monaten in Marokko unterwegs war. Also bot es sich an, in dieser tollen Schlucht wild zu campieren und den Grill anzuwerfen.

21.04.2004 Tizgui – Taliouine

Früh am Morgen wurden wir von der Sonne und Ellis´Hunden geweckt. Nach gemütlichem Frühstück fuhren wir weiter in Richtung Westen. Diesmal eine schnelle Teerstrasse bis Taliouine. Dort wollten wir uns über Nacht überlegen, ob wir am nächsten Tag den Djebel Toubkal besteigen würden. Ein kleiner Campingplatz mit Pool lud zum Sonnen und Relaxen ein. Ansonsten stand an diesem Tag nicht viel auf dem Programm.

22.4.2004 Taliouine – Asni – Aroumd

Ok, wir wollten also den höchsten Berg Nordafrikas (4165m) in Angriff nehmen.Dazu war es erforderlich, die Passtrasse nach Asni zu fahren. Ein Schild wies „kurvige Strecke die nächsten 120 Kilometer“ aus. Und wirklich: Das GPS zeigte 70Km an – der Rest waren Kurven und ein Pass mit 2160m Höhe (Tizi – n – Test). Wir hatten Glück und fuhren fast immer die Bergseite der 3m breiten Strasse. (Die Strassenführung erinnerte mich an die Death-Road in Bolivien – nur der Teer war der Unterschied. In Bolivien war es Schotter).Es gab eine Stelle mit 3,50m Höhenbegrenzung durch Felsüberhänge – wir lagen knapp darunter.
Je weiter wir fuhren, desto grösser wurden die am Strassenrand angebotenen Ammoniten. Der größte, den ich sah, hatte einen Durchmesser von mindestens einem halben Meter. Anscheinend war hier „Fossilienmacher“ als Lehrberuf zu erlernen?In Asni angekommen fuhren wir in den kleinen Ort Ilmil. Der bestand aus ca. 10 Touristenfanggeschäften, die uns auch gleich erfolgreich eine Bergtour aufschwatzten.Natürlich war es genau das, was wir wollten, aber wir liessen uns das nicht anmerken. Bereitwillig erklärten uns die Leute eine topografische Landkarte des Toubkalgebietes, sodass ich auf Kartenkauf und Führer verzichten konnte. Stattdessen buchten wir einen Esel, da wir unseren Wanderrucksack gegen einen Teppich getauscht hatten.
Ein vorhandener Ortliebsack wäre als Rucksackersatz doch etwas ungeeignet gewesen.Anstelle Campingplatz landeten wir auf einer Wiese in Aroumd, die einem Geschäftsfreund des Ladeninhabers gehörte. Ein Couscous wurde uns auch noch als Abendessen in Aussicht gestellt. Und wirklich: Um 19.30 Uhr stand eine Frau mit einer Riesenportion vor unserem Auto. Full Service, also... Die Ortschaft Aroumd ist über eine sehr steile Holperstrecke mit engen Kehren zu erreichen. Ich musste sogar den Allradantrieb akrivieren. (Also wieder mal KEIN TAG ohne Piste!)

23.04.2004 Aroumd – Djebel Toubkal (4165m)

Am nächsten Morgen kam pünktlich unser Eselführer ans´Auto. Wir machten uns also auf den Weg zur 3200m hoch gelegenen Neltner-Hütte. Der Weg ist recht einfach: Dem Flussverlauf folgen und diesen gegebenenfalls über darin befindliche Steine kreuzen. Dann im rechten Talverlauf auf Schotterserpentinen aufwärts bis nach ca. 4 Stunden die Hütte erscheint.Oben angekommen assen wir eine mitgebrachte Brotzeit und ich schaute auf die Uhr: Kurz nach Mittag – was tun mit dem angefangenen Urlaubstag??Der 16-jährige Hüttenwirt meinte „No Problem for You reaching the top and come back before sunset”. Gut. Überzeugt. Ich lieh mir noch ein paar Steigeisen aus und los ging es.(Normalerweise macht man den Gipfel am nächsten Tag).Hinter der Hütte geht es linkerhand sehr steil bergauf über Schnee- und Geröllfelder aufwärts.
Ich lernte die Steigeisen schnell zu schätzen.Anscheinend war ich der letzte Bergwanderer des Tages, denn es kamen mir nur Leute von oben entgegen. So ab ca. 3800m war ich ganz alleine mit dem Berg und wenige Höhenmeter später senkten sich die umliegenden Gipfel langsam zu einem tollen Panorama ab. Ich mass meinen Puls und stellte durchgehend 160-170 pro Minute fest. Wenn ich eine Pause machte, half das nur wenige Minuten lang weiter... dann war ich schon wieder erschöpft.Pünktlich ab 4000m spürte ich leichte Gleichgewichtsstörungen und etwas Schwindel. Es war wohl doch die mangelnde Höhenakklimatisation ( Von 2000m auf 4000m). Aber es war erträglich und im Rahmen dessen, was ich mir zutraute.

Endlich: Der Gipfel in Sichtweite! Ich konnte bis in die Tiefebenen von Foum Zguid blicken, wo wir noch vorgestern campiert hatten. Im Norden Marrakesch – im Süden Algerien.Der Gipfel, zu dem ich noch heute Morgen mit dem Fernglas hinaufgeschaut hatte, befand sich jetzt weit unter mir. Ich konnte kein Gipfelbuch finden, aber das war ja auch nicht notwendig. Der Abstieg erfolgte rutschend über Schotter und Schneefelder.Letztere förderten mit jedem Schritt Eisklumpen in meine Schuhe, sodass ich sehr bald patschnasse Füsse hatte. Einen Teil der Hänge fuhr ich auf dem mitgebrachten Ortliebsack ab.Dann zog Nebel auf – ich hatte aber beim Aufstieg mehrere GPS-Punkte gesetzt, sodass ich exakt an der Hütte ankam, obwohl ich diese erst wenige Minuten vorher sehen konnte.Dann folgte eine heisse Dusche zum Auftauen der Fusszehen und ein Abendessen mit netten Leuten. 3200 Höhenmeter an einem Tag – mein neuer persönlicher Rekord, glaube ich?!

24.4.2004 Neltner-Hütte(3000m) – Essaouira

Am Morgen stiegen wir zum Dorf Aroumd ab und bezahlten unseren Muli, das Essen und die Bewachung des Autos auf der Wiese hinter dem Haus von Mohammed.Wir fuhren bald los, noch bevor die halbe Ortschaft uns zum Abschied auf Tee, Teppich und Tajine einladen konnte.Weiter ging es durch Marrakesch nach Essaouira. (Langweilige Strecke).In Essaouira sahen wir zum ersten Mal seit Wochen den Atlantik wieder.Dort kauften wir am Hafen frischen Fisch und dampfend heisses Brot direkt vom Bäcker.Die Einwohner und Händler in Essaouira waren Auffällig zurückhaltend und freundlich. Man konnte in den Geschäften bummeln ohne „angequatscht“ zu werden. Echtes Lob an dieser Stelle!Weiter ging die Fahrt am Meer entlang in Richtung Safi.Nach ca. 15 Km sahen wir von der Strasse aus schöne Sanddünen direkt am Meer.
Klar, dass wir den nächstbesten Feldweg nutzten um dorthin zu kommen.„Feldweg“ war vielleicht übertrieben, denn wir mussten ein Bachbett durch Strassenbauarbeiten befahrbar machen. So gelangten wir also zu einem „privaten Sandstrand“ mit Dünen und allem Drum und Dran. Zu bemerken wäre noch, dass wir den ganzen Tag dort blieben und nur 3 Menschen vorbeikamen.Wir grillten unsere Fische und dann uns in der gleissenden Mittagssonne.Danach zog ich noch ein paar Fahrspuren über die verlockenden Dünen. Wirklich tückisch, die Dinger: Mal fest, mal weich – und das bei immer gleichem Aussehen...Wir verbrachten eine ruhige Nacht (Vom lauten Meeresrauschen mal abgesehen).

25.4.2004 Essaouira – Azemmour (El Jadida)

Nach ausgiebigem Frühstück und vorbeiziehen einer Schafs-Kuhherde am Strand fuhren wir das treppenartige Bachbett zur Hauptstrasse zurück.Bergauf ging es über 30cm hohe scharfkantige Steine – wohl der Grund für unseren nächsten Plattfuss. Diesmal war ein Riesenloch in der Seitenwandung des rechten Vorderreifens. Wir bemerkten dies, als wir in einer Ortschaft nach dem Einkaufen vom Parkplatzwächter darauf hingewiesen wurden. Natürlich waren gleich zwei Helfer zur Stelle und wir kannten nun die fälligen Prozeduren schon. Also gleich den 1,5m langen Hebel raus und der Reifen war in 10 Minuten gegen den Ersatzreifen getauscht.
Reifenservice fanden wir um die Ecke und der 255iger BFG-MT Reifen, der in Deutschland sicher auf dem Müll gelandet wäre, wurde von innen mit einem Riesenflicken instand gesetzt. „Als Reserverad noch gut zu gebrauchen“, meinte der arabisch sprechende Reparateur mit Handzeichen und Gebärden. Ärgerlich, weil der Schlappen erst 6 Monate alt war – aber das war wohl der Preis für unsere speziellen Ausflüge in die Botanik? Bisher hatte ich noch bei keinem Fahrzeug so viele Reifenpannen, aber die 3,5-4 Tonnen forderten wohl ihren Tribut im Gelände?!Das nächste Problem war, dass der IVECO nun nach einer Seite zog. Wohl darauf zurückzuführen, dass auf der Vorderachse nun zwei leicht unterschiedliche Felgen liefen.
Also morgen den Reifen noch mal auf die andere Felge wechseln lassen.Bei einem Reparaturpreis von ca. 7.- Euro allemal billiger, als die Reifen unterschiedlich abzufahren oder Schäden zu riskieren.Am Abend fanden wir hinter Azemmour ein ruhiges Plätzchen zwischen schwarzen Sanddünen und Buschwäldern. Ein wilder Hund wurde mit Wurst gezähmt und diente uns als treuer Nachtwächter.

26.4.2004 Azemmour – Kenitra

Der Wachhund verschwand mitten in der Nacht auf Nimmerwiedersehen. Bis dahin hatte er uns jede Maus die um´s Auto schlich, lautstark gemeldet. Er wollte leider nicht bis zum Frühstück bleiben – OK, akzeptiert. Heute wollten wir in Casablanca einen Supermarkt aufsuchen, was mit Hilfe von GPS, Därr-Führer und Landkarte schließlich auch gelang.
Danach kam ich auf die Idee, in Rabat den IVECO-Händler zu besuchen und einmal alle Reifen auf deren Auswucht-Zustand und die Spur unseres Womos prüfen zu lassen. Nach 1 Stunde Sucherei in Rabat unter abenteuerlichen Verkehrsverhältnissen wurden wir schließlich fündig.Polizisten gaben uns immer sehr freundlich und detailliert Auskunft, wo die gefragte Strasse liegen würde, nur verstanden wir leider nicht alles im Detail. Schließlich fanden wir das Geschäft und wurden auch freundlich und zuvorkommend bedient: Unser Problem sollte ein Reifendienst um die Ecke erledigen.
Wir zahlten schließlich für 2 Reifendemontagen, auswuchten von 3 Reifen und insgesamt 1,5 Stunden Arbeit von 2-3 Mechanikern ganze 60 Dirham (= 5,90 Euro). Vielleicht sollten wir für die große Inspektion und andere Reparaturen jährlich einmal nach Marokko kommen? ;-))Die anschließende Suche nach einem Campingplatz verlief erfolglos, sodass wir ein kleines Waldstück nahe Kenitra aufsuchten. Der Wald sah aus, wie handgepflegt – man traute sich kaum, einen Grashalm umzuknicken... sicher ein Privatgrundstück?!Auf der Suche nach diesem Platz fuhren wir durch Mehdia Plage – eigentlich eine sehr interessante Ortschaft direkt am Meer. Eigene Festungsanlage und Naturschutzgebiet – aber alles wurde gerade renoviert und hergerichtet. Sicher für die Hauptsaison ein guter Tipp.

28.4.2004 Kenitra –

Wir erwachten gut erholt und ungestört in dem Waldstück und setzten unsere Fahrt nach kurzem Frühstück fort. Weiter entlang der Küste nach Norden besuchten wir die 3000 Jahre alten Ruinen von xxxxxxxxx (Name entfallen) in der Nähe von Larache. Heute war unser erster (und letzter) Regentag in Marokko. In Larache befand sich ein Rastplatz der von unserer Fährgesellschaft bewirtschaftet wurde. Man konnte dort kostenlos campieren und wir nahmen das Angebot natürlich an. Mittags gab es leckere Keftas vom Grill. Abends schauten wir deutsches Fernsehen im Auto. (Ja, der 30cm-Spiegel mit 12V-Receiver von Ebay ist echt Klasse! Alle anderen Wohnmobile haben 1m-Blechschüsseln auf dem Dach montiert. )Wir lernten ein italienisch-Marokkanisches Ehepaar kennen, die mit einem 4x4-Fiat WoMo seit 3 Monaten unterwegs waren.

29.4.04 Tag der Rückreise / Tanger-Sete

Gemütlich spulten wir die restlichen 150 Km ab und liessen den Bus noch mal für ein paar Dirham waschen. Jetzt sahen wir aus, wie frisch angekommene Touristen...Noch schnell die „Hercules-Grotten“ bei Tanger besichtigt – kann man sich aber getrost sparen. Die Küstenstrasse ist jedoch mit netten Haltebuchten versehen, die wir für kurze Aufenthalte nutzten.Dann ging es kreuz und quer durch Tanger. An wichtigen Kreuzungen standen zwar Polizisten, jedoch keinerlei Hinweisschilder auf Hafen oder sonstiges... dann sprangen uns noch ein paar Einheimische vor´s Auto, sodass ich am liebsten einen plattgefahren hätte.
(„Die würden in Frankfurt maximal eine Stunde überleben! – Wie hoch ist hier die Anzahl der Verkehrstoten?“) Das halbe Volk treibt sich auf der Strasse herum, bevorzugt in deren Mitte. Gehsteige sind zwar vorhanden, werden jedoch fast immer ignoriert.Schließlich fanden wir den Hafen und wurden auch ziemlich zügig abgefertigt. Die Formalitäten erledigte ich selbst – kein Problem, wenn man Zeit hat. Die letzten Dirham wurden in Euro zurückgetauscht und dann ging es an Bord.Wir bekamen diesmal eine Vierbett-Kabine mit Fenster für uns alleine und schmuggelten uns auch noch frech in´s First-Class Restaurant.
Der Unterschied bestand eigentlich nur darin, dass man das Essen auf schöneren Tellern an den Tisch gebracht bekam, anstatt dafür kantinenmässig anstehen zu müssen. 30.4.2004 Tag auf SeeWir lernten beim Essen eine Familie aus Calais und einen Sardinier kennen, der uns prächtig unterhielt. Seine italienischen Ansichten zusammen mit seinem Gesichtsausdruck sorgten immer wieder für gute Stimmung. Z. B. liess er einen Kaffee zurückgehen, mit der Bemerkung, „Ich habe EINEN Kaffee bestellt – und nicht FÜNF!“ (Der Kaffeebecher war ca. 2cm hoch gefüllt.) Tja – jetzt wissen wir, wie ein ECHTER italienischer Kaffee auszusehen hat: Zwei Schluck und finito! Ach ja: Auch über Mozzarella und italienisches Eis wurden wir aufgeklärt.

1.5. – 2.5.2004 Heimreise durch Frankreich
Übernachtung in der Schweiz.

3.5.04 Reisebericht online gestellt. --> SO bin ich zu Euch! :-))



©Jürgen Baumann 2005 Verwendung von Text- oder Bildmaterial nur mit Genehmigung des Autors! Bilder auf dieser Page sind teilweise entliehen und zu den Originalhomepages verlinkt.Sollte sich jemand daran stören: Einfach melden. Disclaimer: Ich übernehme keine Haftung für die Richtigkeit der angegebenen Daten, Verhältnisse und Koordinaten und sonstiger Angaben. Die Berichte geben lediglich einen persönlichen Eindruck wider. Das Landgericht Hamburg hat mit Urteil vom 12.05.1998 entschieden, dass man durch die Ausbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann - so das LG - nur dadurch verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Wir haben auf unserer Page Links zu anderen Seiten im Internet gelegt. Für all diese Links gilt: Wir möchten ausdrücklich betonen, dass wir keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten haben. Deshalb distanzieren wir uns hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser gesamten Website inkl. aller Unterseiten. Diese Erklärung gilt für alle auf unserer Homepage ausgebrachten Links und für alle Inhalte der Seiten, zu denen Links oder Banner führen.