Island 99 - Im Land von Feuer & Eis
ICELAND 99 - Eine Reise durch´s Land von Feuer und Eis.
Unterwegs mit dem Allrad-Wohnmobil (Mitsubishi L300 4x4 2.5TD)
Dieser Bericht enthält das,was ich vor dem Urlaub gerne über Island gewußt hätte. Vielleicht kann er dem Leser Anreiz bieten, selbst einmal dorthin zu fahren.
Der Reisebericht wurde vor Ort am gleichen Tag in den PC gehackt und spiegelt daher die Eindrücke ziemlich genau so wieder, wie wir sie empfanden. (Kann ich übrigens jedem empfehlen: Das Reisetagebuch enthält Details, an die sich sonst Zuhause keiner mehr erinnert...)
Tag 1: Freitag, 13. August 1999, 13:30 Uhr Aschaffenburg
Nach zweitägigem Packen und Verstauen haben wir unseren Mitsubishi L300 4x4 endlich in reisefertigem Zustand gebracht. Ersatzreifen in 30X9.5 Zoll wurden in letzter Minute auf passende Felgen gezogen, Alusandbleche auf dem Dach montiert, Seilwinde, Spaten, Stahlseile, und anderes Bergematerial sowie Benzinkanister verstaut oder verschraubt. Die Navigationsgeräte wurden vorher schon auf ihre Tauglichkeit hin überprüft und für gut befunden. Wir werden uns voll auf GPS&Notebook, verlassen. Nur zum Spaß haben wir auch einen echten Kompaß dabei... „Was vergessen wurde, wird gekauft..“ war schließlich nach langer Packerei unser Wahlspruch. Nach mehr als einem Jahr der Vorbereitung (hauptsächlich geistig...) kommen wir uns heute doch irgendwie recht unvorbereitet vor. Wo ist das zweite Regencape? Aha, schon im Rucksack... Wo ist die grüne Versicherungskarte? Keine Ahnung – muß aber nicht sein. 25 Beutelsuppen, 2-3 Paletten Dosenbier, 5 Flaschen Rotwein müssen teilweise raffiniert vor den Zollbehörden versteckt werden. Man ist ja schließlich Bayer... Nun haben wir Zeit bis morgen Abend um 20:00 Uhr. Dann fährt die „Norröna“ nach Island ab. Vermutlich werden wir in Dänemark übernachten, wenn möglich am Meer. Im Moment ist strahlendes Wetter, ca. 25 Grad. In Island soll es dagegen 7 Grad haben. Brrr?! Die Autobahn 45 ist leer, wir kommen gut voran. Der Ersatzreifen auf dem Rammschutz vibriert ein bißchen. Wird der Heckträger die Strapazen aushalten? Wir werden sehen. Was sagen die Herren in Grünweiß zu unserem unbeleuchteten, in 1,50m Höhe angebrachten Nummernschild? Na ja, bis zur Grenze sind es nur noch 650 Km, dann gibt es damit keine Probleme mehr.
Göttingen, 17:45 Uhr
Erste Wutanfälle: Wir haben unser Zelt zuhause vergessen. Damit wollten wir eine Nacht in der Odadarhaun-Wüste verbringen. Nach 20 Minuten Fahrt durch die Göttinger Fußgängerzone ist ein Outdoorshop ausgemacht. Weitere 10 Minuten später ist die Reisekasse um 600.—DM geschmälert. Dafür sind wir stolze Besitzer eines Sonderangebotes: Ein Zweimannzelt, welches, laut Auskunft des Verkäufers, Islandfest sein soll. Dabei wiegt es zur 2.1 Kilo und besitzt ein neuartiges Drainagesystem. Wir werden sehen, ob wir die Drainage brauchen...?!
Husum 22:30 Uhr
Wir übernachten in Husum, wo gerade das Husumer Hafenfest stattfindet. Man kann es mit dem Aschaffenburger Stadtfest vergleichen, nur daß die Leute zu 80% Blond sind. Die Shrimps, die Muscheln und die Preise sind saftig... Genächtigt wird auf dem Parkplatz nebenan, wo sich noch andere Camper einfinden.
Tag 2: Samstag, 14. August 1999, 10:00 Uhr Parkplatz auf der B5 nähe Sylt
Wir haben gut und ruhig geschlafen. Frühstück auf einem Parkplatz in Richtung der dänischen Grenze. Das Wetter ist nicht sehr einladend, aber trocken. Später wollen wir noch einen Strandspaziergang in Dänemark machen. Noch 8,5 Stunden bis zur Abfahrt der Fähre.
Hanstholm, 20:30
Der Strandspaziergang war von Wind und Regen geprägt, aber abwechslungsreich und erholsam. Vielleicht ein kleiner Vorgeschmack. Ein Tiefdruckgebiet über Schottland wird uns heute Nacht beschäftigen. Wir haben Hanstholm zur rechten Zeit erreicht, um noch einen Blick auf unsere Miturlauber zu werden: Allradfahrzeuge mit „Mud-Terrain-Bereifung“ herrschen vor. Das bestätigt unsere Erwartungen, als auch unsere Befüchtungen: Da geht es wohl richtig zur Sache...? Man sieht Landrover mit 5 Benzinkanistern auf dem Aludach, Zebrafarbene Hanomags, ein 6X6 Rädriger Volvo Lappländer ist auch mit von der Partie. Als wir in Hanstholm eintrafen, kamen uns die Leute entgegen, die von hier nach Hause fuhren: Manche bedachten uns mit mitleidigen, wissenden Blicken (Oder kam mir das nur so vor?). Wir fühlen uns hier gut aufgehoben und erwarten mit Spannung die Überfahrt. Man hat ja schon schlimme Dinge vom Wetter auf der Nordsee gehört. Na ja, Brechbeutel haben wir in der 2m^2 großen Kabine jedenfalls gefunden. Wenigstens haben wir ein Fenster, sonst bekämen wir sicher Platzangst. Komische Sitte: Die Beifahrer mußten bei der Einfahrt in die Fähre das Fahrzeug verlassen, sodaß an Bord erstmal alles durcheinanderlief. So eng wie hier war ich noch niemals eingeparkt. Selbst die Schiebetüre war nicht mehr zu öffnen... Jetzt ist es 20:45 Uhr: Wann legen wir ab??
An Bord der Norröna, Nordsee , +57°19´ O 07° 58´, 22:30 Uhr OT
Wir haben abgelegt und sind nun ca. 50 Km vom dänischen Festland entfernt. Das Wetter ist schlecht und die Norröna schwankt so stark, daß die Leute beim Laufen die Breite der Gänge voll ausnutzen. Ich habe eben schon eine Dame sich über die Reling übergeben sehen. Jetzt weiß ich, wozu die Pappbecher auf den Gängen gut sind... Mir geht es (noch) gut, Petra schläft. Wir haben noch ca. 600 Km bis zu den Shetlands und ca. 1000 Km bis zu den Färöern vor uns. Gute Nacht!
Tag3: Sonntag, 15. August 1999, Norröna, Nordsee, +59° 10´ O 01° 11´, 11:30 Uhr OT
Das Wetter ist heute morgen freundlich, es hat zu regnen aufgehört und die Sonne lacht zwischen den Wolken hervor. Wir haben ca. 18-20°C und frühstücken ausgiebig im Bordrestaurant. Danach ist Liegestuhl aufbauen und sonnen angesagt. Interessant, zu sehen, daß hier an Bord jeder zweite mit GPS-Geräten hantiert, Positionen, Geschwindigkeiten und Ankunftszeiten bestimmt. Ich gehöre auch dazu – OK, schönes Spielzeug! Ein älterer Mann malt mit Kugelschreiber die aktuelle Schiffsposition auf eine unter Deck angebrachte Seekarte und erklärt mir, daß wir etwas vom Kurs abgewichen seien. Ich zeige ihm mein GPS (Er hat das Gleiche) und frage ihn, ob wir den Kapitän darüber informieren sollten? Er lacht und meint, das sei wohl noch nicht nötig.
Einig sind sich die Passagiere auch bei der Lektüre: Die einen lesen Krakauer´s „Auf den Gipfeln dieser Welt“, die anderen „Färöer, Inselwelt im Nordatlantik“. Der Rest spielt an Deck mit GPS-Geräten herum Schade, ich habe versäumt, das „Gipfelbuch“ zu kaufen...
Wir sind nun 165 Km von Lerwick, Shetland, entfernt.
Norröna, Nordsee, +60° 01´ W 01° 57´, 18:30 Uhr OT
Wir haben die Shetlandinseln passiert. Das Wetter ist immer noch sehr sonnig, wenn auch nicht mehr so warm, wie gestern. Mir war kurz schlecht, im Freien geht es mir aber wieder besser. Die Shetlands liegen sanft hügelig in der Abendsonne. Man bemerkt alle paar hundert Kilometer wie sich die Temperatur langsam absenkt.
Tag 4, Montag, 16. August 1999, Auf den Färöer Inseln. 6:50 Uhr
Wir haben pünktlich angelegt und fahren nun durch das morgendliche Torshavn. Das Wetter ist schlecht, es regnet bei ca. 10°C. Wir haben eine Tankstelle ausfindig gemacht und warten nun, bis sie öffnet (10 Min.). Hier sieht es aus, wie bei uns im Herbst: Nebel, Regen, sichtweite im Moment 150m. Die Hauptstadt liegt noch im Schlaf – kein Wunder bei der Witterung!
22:10 Uhr Faröerinsel Eysturoy, nähe Ort Elduvik
Wir sind heute dem Wetter hinterhergefahren. Wenn es hier nebelig war, war es dort sonnig... Wenn man das mal kapiert hat, ist alles klar. Zuerst sind wir in der Früh bei Tjornuvik auf einen Berg gestiegen, bis wir vor Nebel nichts mehr gesehen haben (Ca. 300 Höhenmeter auf 1Km). Dann haben wir eine kleine Inselrundfahrt gemacht. Auf den Bergpässen gibt es nur single-track-roads mit Ausweichbuchten. Wenn dort jemand im Nebel (Sichtweite teilweise 20m) entgegenkommt, dann Gute Nacht..Ich hupe vor jeder Kurve und prompt kommt auch ein Mercedesjeep entgegen. Jetzt haben wir ein schönes Fleckchen gefunden, wo wir die Nacht verbringen werden. Wir sind an der Straße (1 Auto pro Std.) zwischen Elduvik und Funningsfjördur etwa 100m über dem Meer mit fantastischer Aussicht auf Fjorde, Berge und Wolken. Ich habe über 1 Std. lang mit dem Fernglas die Gegend angeschaut und es hat immer wieder anders ausgesehen. Das lag aber nicht nur am Rotwein, hoffe ich. Wir haben das Auto mit dem großen Tarp Wind- und Wasserdicht gemacht. Die Nebelfetzen treiben in greifbarer Entfernung an uns vorbei, treffen uns aber nicht. Hier ist es fast windstill. Jetzt Gute Nacht!
Tag 5, Dienstag, 17. August 1999, Auf den Färöer-Inseln , 20:30 Uhr
Heute Morgen sind wir nach gutem Frühstück die paar Meter nach Elduvik gefahren, haben am Friedhof geparkt (Immer der beste Parkplatz am Ort), und sind wandern gegangen. Diesmal ging es um ein Kap herum. Dabei trafen wir sage und schreibe vier Leute! Ich kam mir vor, wie am Bahnhof... Auf dem Rückweg haben wir Papageientaucher gesehen, dachte ich jedenfalls. In wirklichkeit waren es täuschend echte Holzfiguren, die zum Anlocken derselben dienen. Scheinbar ist die Brutzeit der Kleinen schon vorbei, denn wir sahen bisher erst zwei echte Exemplare.
Nach der Wanderung haben wir uns fast die ganze Insel angeschaut. Ich muß sagen, Eysturoy ist schöner, wilder und bergiger als die Hauptinsel Streymoy. Außerdem kommen einem ständig Fahrzeuge entgegen, die man auf der Fähre gesehen hat, alles „alte Bekannte“. Die WoMo-Fahrer winken sich immer fleißig, und freuen sich, einen Landsmann zu sehen.
Gegen Abend, und nach einer weiteren kurzen Wanderung, machen wir uns auf den Weg in Richtung der Hauptinsel. (Morgen Abend geht´s per Schiff weiter nach Island.) Ich suche gezielt nach gestrichelten Linien auf der Landkarte und werde bei dem Dorf Vestmanna fündig: Dort befindet sich ein Stausee, zu dem wir auf Schotterwegen hinauffahren. Dies ist der einzige Schotterweg, den ich auf den Färöern sah... Wir fahren ihn bis zum Ende und befinden uns in einem Wasserschutzgebiet. Das Ganze liegt in einem schönen Hochtal weit abseits aller Siedlungen. Wir haben wie immer eine grandiose Aussicht und können den Lauf der einzelnen Sonnenstrahlen tief unter uns beobachten. Regen, Wind und Sonne wechseln sich hier wirklich im Minutentakt ab. Eben erst die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, muß nun schon die Jacke wieder ausgezogen werden. Jetzt, während ich dies schreibe, geht es mir auf dem Campingstuhl genauso. Soll ich aufstehen oder sitzenbleiben??
So, ich habe mich für aufstehen entschieden, da ich den Computer später vielleicht noch brauche. Wir stellen gerade fest, daß wir hier in der Einsamkeit auf alles verzichten könnten. Eigentlich bräuchten wir nur unseren Allradbus, das GPS, den PC, unser gutes Bier, den Rotwein, 100Liter Diesel, 20 Liter Ringheimer Wasser, Chips, und ein paar weitere Kleinigkeiten... Dann könnten wir es hier EWIG aushalte, glauben wir.
Tag 6. Mittwoch, 18. August 1999, 17:30 Uhr OT, Färöer-Inseln
Wir sind nach kurzem Frühstück gleich in Richtung Torshavn aufgebrochen, wo um 18:00 Uhr die Norröna nach Seydisfjördur, Island weiterfährt. „Haben wir auch den richtigen Wochentag? Stimmt die Abfahrtszeit?“ Schießt es uns durch den Kopf. Wenn wir die Fähre verpassen, dann Guten Nacht... Wir haben noch genügend Zeit, sodaß wir einen Abstecher auf eine Militärstraße einen Pass hinauf machen, den wir schon vor zwei Tagen gefahren sind. Letztes Mal war es komplett Nebelig mit Sichtweiten unter 20m. Diesmal eröffnen sich uns einmalige Aussichten über Berge, Täler, Inseln und Fjorde aller Art. Wir fahren bis zum Verbotsschild hoch, den Rest laufen wir zu Fuß. Nach 100m kommt uns ein schwarzer Militärjeep entgegen. Ich denke :“Nichts anmerken lassen...“ und nicke freundlich. Die Besatzung des Wagens tut das Gleiche. „Die haben wohl nichts zu verbergen hier oben“ sage ich. In der Tat bietet sich am Ende des Weges nur eine Nebelwand vor einer Militärsendeanlage dar. Nichts interessantes, hätte aber sein können...
Beim Auto angelangt, fahren wir weiter nach Torshavn und kaufen Souvenirs und Lebensmittel ein. Danach sehen wir uns noch eine Kirchenruine aus dem 12.Jhdt. in Kirkjubaer an. Dort essen wir zu Mittag. Die Kirche ist wohl das Einzige Monument auf den Färöern, für das man Eintritt verlangen kann: 6.—DM pro Person sind auch nicht zuviel verlangt, wenn man, wie wir erst hinterher davon erfährt... und sich fest vornimmt, beim nächsten Mal zu bezahlen.
Wir fahren nun endgültig zum Hafen und stellen fest, daß die Fähre schon dort ist. „Fahren schon Autos rein? Sind wir die Letzten? Schaffen wir es noch?“ Schießt mir durch den Kopf. Nach kurzer Kontrollrunde stellen wir fest, daß noch genug Zeit zum Tanken ist und verlassen den Hafen wieder. Schließlich checken wir doch noch ein und haben endlich wieder mal 220Volt und eine Dusche. Alle möglichen Akkus müssen geladen werden, da kommt die Fähre gerade recht. Die Überfahrt verläuft, wie für die Nordsee typisch, recht ruckelig.
Tag 7, Donnerstag, 19.August 1999, Island
Endlich in Seydisfjördur angekommen! Nach einer Stunde Zollabfertigung und Dieselsteuer dürfen wir endlich unsere Reifen in Island rollen lassen. Zum Glück sind unsere Biervorräte beim Zoll nicht dezimiert worden, sodaß wir auf den Beginn unseres Islandaufenthaltes anstoßen könnten... Aber halt! Erst müssen ein paar Kilometer abgespult werden. Der Diesel kostet hier ca. 1.—DM pro Liter. Dafür bezahlt man aber eine Dieselsteuer, die sich nach dem Leergewicht des Fahrzeuges richtet. Für uns sind das ca. 125.—DM. Wenn man bedenkt, daß Normalbenzin über 2.—DM/Liter kostet, rechnet sich das für uns. Als erstes fahren wir (Wie alle Fährteilnehmer) zur nächsten größeren Stadt: Egilsstadir. Dort verliert sich langsam der Touristenstrom. Wir sehen nur noch manchmal deutsche Autos, die dafür aber regelmäßig. Wir fahren Islands höchste Paßstraße an, von der aus man einen fantastischen Ausblick über Flußlandschaften, Berge und Täler hat. Am Horizont sehen wir schneebedeckte Berge. Ich glaube, wir haben Glück: Der Sommer scheint regenarm gewesen zu sein. Wir lernen auch die Isländischen Straßenzustände in allen Einzelheiten kennen. Teer, Schotter und, na ja, schweigen wir lieber, man will ja niemanden verschrecken! Jedenfalls sind entgegenkommende Autos eine halbe Stunde vorher an der Staubfahne zu erkennen. Das kann praktisch sein, man kann die ganze Straßenbreite benutzen, um Steinen auszuweichen. Wir kommen nach ein paar Stunden an Islands nördlichstem Punkt vorbei und schauen uns dort ein bißchen um: Ziemlich enttäuschend, diese Einöde! Man kann hier höchstens vom Verkauf des Strandgutes leben, das überall herumliegt: Hauptsächlich Baumstämme aus Sibirien, die alle die gleiche Länge haben – Praktisch! Hier am Polarkreis ist Island richtig trist und farblos: Wir sind froh, als wir aus diesem Landstrich wegkommen. Die Gegend um Asbyrgi ist da schon viel interessanter: Lavafelder, schwarze Strände und tiefblaue, wirklich tiefblaue Bachläufe. Ich hätte diese Farbenvielfalt nicht für möglich gehalten! Kommt das vom Stand der Sonne? Irgendwie herrscht hier ein anderes Licht, als bei uns in Deutschland. In Asbyrgi befindet sich angeblich der schönste Zeltplatz Islands. Ich kann da bis jetzt nur zustimmen.
Tag 8, Freitag, 20.August 1999, Dettifoss-Myvatn
Heute morgen sind wir recht früh aufgestanden und haben uns gleich aufgemacht, das Asbyrgital zu bewandern. Die Wanderung fängt recht abenteuerlich mit der Besteigung einer senkrechten Canyonwand mittels eines angebrachten Seiles an, aber das ist kein echtes Problem, sondern gut für schöne Urlaubsfotos. Oben angekommen und nach weiteren 1,5 Stunden bietet sich ein großartiger Ausblick über die hufeisenförmige Schlucht, in der der Campingplatz liegt. Anschließend geht es weiter zur Schlucht der Jökulsa á Fjöllum, dem größten Gletscherfluss Islands. Pro Sekunde fließen hier 200000 Liter Wasser den Bach hinunter. Nach 4 Stunden sind wir wieder am Auto und fahren in Richtung Myvatn. Wir probieren die erste richtige Offroadpiste unseres Urlaubs aus. Sie führt uns am größten Wasserfall Europas, dem Dettifoss, vorbei. Im großen und Ganzen muß ich sagen: Mit einem normalen PKW möchte ich sie nicht fahren, Allradtechnisch ist die Fxxx jedoch nicht sonderlich anspruchsvoll. Lediglich der Wellblechcharakter nervt nach 2 Stunden. Wie lange hält unser Bus das aus? Wir jedenfalls, gewöhnen uns daran, alles, was nicht niet- und Nagelfest ist, vom Wagenboden aufzuheben. Besonders fies ist die scharfkantige Lava in der Nähe des kleineren Wasserfalls vorher. Eine genaue Prüfung der Reifen ergibt aber keinen Grund zur Beunruhigung. So fahren wir nach allen Besichtigungen weiter zur Krafla, einem Thermalgebiet. Die Krafla ist eine geologisch junge und aktive Erdspalte aus der immer noch Dämpfe und heißes Wasser aus dem Erdinneren austreten. Man fühlt sich dort an die Darstellungen der Hölle erinnert, wenn es aus allen Ecken und Enden Dampft, blubbert und nach Schwefel stinkt. Dazu kommt noch das tiefe Schwarz der Lava, die überall aus dem Erdinnern hervorgequollen ist und fantastische Skulpturen formt. Manche Steine fühlen sich warm an, andere sind so leicht, daß man das Gefühl hat, sie wären aus Styropor oder innen hohl. Die umliegenden Berge haben Farben von tiefem rot über gelb bis graublau. Überall steigen Dampfschwaden auf, die teilweise extrem nach Schwefelwasserstoff riechen.
Der Hölle nochmal entkommen, übernachten wir schließlich auf einem Campingplatz bei Rejkahild. Ich habe noch nie so viele Mücken auf einem Haufen gesehen, wie hier. DAS IST Keine Plage, das ist eine Mückenkatastrophe! (Obwohl sie nicht stechen...)
Tag 9, Samstag, 21. August 1999 Husavik 9:30 Uhr
Nach einer Mückenfreien Nacht (Moskitonetz sei dank...) fahren wir die 150 Km hoch nach Husavik zum Whale-watching. Die dreistündige Fahrt mit der „Moby Dick“ war recht interessant, wenn sich statt der Wale auch nur Delphine zeigten... Die jedenfalls kamen ganz nahe an´s Schiff und ließen sich gut filmen. Nach dem anschließenden Einkauf im Supermarkt fuhren wir zum Godafoss zum Mittagessen. Der Godafoss-Wasserfall gibt auch ein gutes Fotomotiv ab. Man kann ganz nahe herangehen, ohne auf Verbotsschilder oder ähnliches zu stoßen. So, jetzt sind wir erstmal satt und fahren zurück zum Myvatn, dessen Sehenswürdigkeiten wir uns für heute aufgespart haben. Dort angekommen sehen wir uns eine interessante Kraterlandschaft aus der Nähe an. Man glaubt, Vulkane zu sehen, in Wirklichkeit sind es aber Explosionskrater. Die Weiterfahrt führt uns nach Grotagja, der einzigen mir bekannten Höhle mit Warmwasseranschluß. Das Wasser ist dort ca. 50 Grad heiß, und somit zum Baden nicht mehr geeignet. Man kann aber seine Füße kurz reinhängen. Tiefer im innern der Höhle wird es zunehmend heißer und schwüler, sodaß selbst die Videokamera ihren Dienst versagt. Naßgeschwitzt entsteigen wir dem Heizungskeller. Der nächste Abstecher führt uns nochmal zum auf die andere Seite der Krafla, wo interessante, kochende Schlammtöpfe auf uns warten. Außerdem gibt es dort dampfende und laut zischende Schlote, aus denen Schwefeldampf austritt.
Anschließend wollen wir ernst machen: Die Hochlandpiste F88 wird in Angriff genommen. Zu Anfang geht es 20 Kilometer über übelste Wellblechpisten. Man kann sich seine Fahrspur zwar aussuchen, muß beim Abweichen von der Hauptpiste aber ständig mit tiefen Bodenwellen und 30cm hohen Lavasteinen rechnen. Also: Holzauge sei wachsam... Endlos zieht sich die Rüttelpiste bis zum Horizont. Wir nehmen auch Sandstürme vor dem nächsten Gebirge in ca. 25Km Entfernung wahr. Irgendwann merke ich, daß meine Augenlieder schwer werden und sehe im Rückspiegel jede Menge Staub im Wageninnern. Da freut sich die Technik... Wir kommen nach 25 Km an einem schwarzen See vorbei, die Sandpiste hat sich in eine Lavalandschaft verwandelt. Schwarzer Staub weht vor uns über die Strecke. Das Rütteln nimmt kein Ende. Irgendwann sehen wir einen See, der ein ganzes Tal ausfüllt. „Nein“, denke ich, „Das ist doch wohl nicht der Fluß, den wir furten müssen?!“. Später zeigt sich: Doch, aber es muß nur ein Seitenarm gefurtet werden, was aber für uns schon genug ist. Der Tag neigt sich dem Ende zu und wir schalten alle Lichter des Wagens ein. Die erste Furt ist ca. 40 CM tief und eigentlich kein Problem (Denkt man hinterher). Dadurch, daß es schon so spät ist, verirrt sich hierher kein anderes Fahrzeug mehr. Wir stoßen auf ein ausgedehntes, grobes Lavafeld, durch das die Strecke in Schlangenlinien, sowie Auf und ab führt. Ich schalte sicherheitshalber den Allradantrieb zu. Der Herdubreid kommt unendlich langsam näher. Als das Lavafeld geschafft ist, nähern wir uns wieder dem Fluß an. Die Lindaa will gefurtet werden. Diesmal ist das nicht mehr so witzig: Hinweisschilder stellen kritische Fragen und geben tolle Tips: Furten Sie nie allein, Haben Sie Ihr Fahrzeug abgedichtet? Laufen Sie die Furt erst zu Fuß ab, usw. Die Lindaa ist an dieser Stelle ca. 15 Meter breit und hat unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten. Der Boden besteht aus groben runden Kieseln. Ich ziehe meine Gummistiefel (30cm hoch) an und erkenne nach vier Schritten, daß das Quatsch war. Ich stehe 3 Meter im Fluß und habe das Tiefe, schnellfließende Stück noch 5 Meter vor mir. „Jetzt gilt´s“ denke ich mir und lege sicherheitshalber den Laptop und die Rückfahrtickets in Griffweite im Auto. Im ersten Gang fahren wir mit langsamer Geschwindigkeit in die Fluten hinein. Geht eigentlich, in der Mitte wird es kurz flacher um dann aber das Wasser bis über die Scheinwerfer ansteigen zu lassen. Ich stoße auf festeren Widerstand, gebe mehr Gas und wir stehen wenig später am anderen Ufer. Ich bin erleichtert und schockiert zugleich. Was wäre, wenn... Wenig später erreichen wir Herdubreidalindir, eine Schutzhütte bei der wir übernachten wollen. Wir bekommen einen warmen Empfang, trotz der Uhrzeit (21:45Uhr). Unser nächstes Problem fällt uns siedendheiß ein: Wir haben unser letztes isländisches Geld für Postkarten beim Myvatn ausgegeben. Ich gestehe es der Hüttenwärterin. Als Antwort zieht sie ein Abbuchungsgerät für Kreditkarten aus der Schublade und meint: „Es ist sehr einfach, in Island Geld auszugeben, nicht wahr?“ Ich bestätige das. Meine Bemerkung mit „Selbst auf dem Mond kann man per Karte zahlen“ versteht sie zum Glück nicht. Alles spielt sich hier im Kerzenschein ab, Strom gibt es nicht. Nur unser Neonlicht im Bus fällt aus der Reihe... Hier ist es absolut still und ich komme mir ziemlich einsam vor. Das Toilettenhäuschen liegt 50 Meter weit entfernt in der Dunkelheit. Vor zwei Monaten wurde die Hütte Herdubreidalindir evakuiert. Damals hatte ein Gletscherlauf die Lindaa auf das vierfache ihrer Breite anwachsen lassen – keine schöne Vorstellung. Gute Nacht!
Tag 10, Sonntag, 22. August 1999 ,Hütte Herdubreidalindir, im Hochland, 9:00 Uhr
Die letzte Nacht war sehr stürmisch. Der Campingbus hat geschwankt wie ein Schiff. Heute früh hat es 10°C im Wageninnern. Wenn man hinaus in den Sturm geht, hat man das Gefühl, kalt zu duschen. Die Waschgelegenheiten sind im Freien angebracht. Guten Morgen! Hier auf dem Platz stehen ein Amerikanischer Dodge und ein Hanomag-Camper. Zwei Zelte werden gerade abgebaut. Die restlichen 3 Autobesatzungen haben in der kleinen Hütte nebenan in Schlafsäcken übernachtet.
Wir fahren weiter zur Askja. Bis dorthin sind es zwei Stunden auf der Piste. Wir werden vor Treibsand gewarnt, mal sehen...(Sandbleche haben wir dabei.)
2 Stunden Später: Der gefüchtete Treibsand ist nicht weiter tragisch: Wir haben kein Problem damit, vielleicht eine Glücksache? Vom Parkplatz 2KM hinter der Hütte Dreki aus sind es gute 40 Minuten Fußmarsch durch eine unwirtliche Vulkanlandschaft. Dort haben die Apollo-Astronauten für die Mondlandung geübt. Und tatsächlich, wenn ich meinen Schatten auf der Lava ansehe, bemerke ich Ähnlichkeiten: Total vermummt und dick eingepackt trotzen wir den kalten Winden, die hier wehen. 30 Minuten später erreichen wir den Kraterrand von Viti (Hölle). Dort schließt sich Islands tiefster See an. Wir jedoch steigen die 60 Meter in den Krater hinab um in der milchig-hellblauen Suppe zu baden. Ja, richtig gelesen! Außenherum stehen die Leute in Winterjacken und tragen Handschuhe und wir gehen baden... Das undurchsichtige Wasser hat ca. 20°C. Nach einer guten Viertelstunde trocknen wir uns ab und machen uns auf den Rückweg zum Auto. Dazu müssen wir wieder die kilometerlange Einöde durchqueren-und das nach dem Baden!
Wir fahren zur Hütte Herdubreidalinder zurück, um zu erfragen, wie man um den Herdubreid herumfahren kann. (Wir wollen eine Nacht im Zelt abseits jeglicher Zivilisation verbringen) 10Km entfernt von Herdubreidalindir gibt es eine Stelle, an der Zelten erlaubt ist (Alles Nationalpark). Enttäuscht stellen wir fest, daß wir 15 Km Piste zurückfahren müßten um dann nach 2-3 Stunden Fußmarsch die Campingstelle zu erreichen. Jetzt ist es 19:00 Uhr, also wohl zu spät für das Vorhaben. Die Hüttenwirtin hat wohl schon gemerkt, daß wir wild zelten wollen und wiederholt, daß es verboten sei... Nach ein paar beschwichtigenden Worten fahren wir in Richtung Myvatn zurück. Nach den zwei Furten (An der Zweiten steht ein Jeepfahrer mit Sorgenfalten - wir fahren ohne zu zögern durch, da wir diese Furt schon kennen... Dafür ernten wir ein Kopfschütteln) fahren wir noch 10 Km und biegen dann von der Piste ab. Wir wollen unseren Mitsu verstecken, um unerkannt in die Hochlandwüste abzutauchen. Gesagt, getan. Wir verlassen unser Fahrzeug vollgepackt mit allem, was man für eine Nacht im Zelt so braucht und halten uns in westlicher Richtung. Auf dem ersten höheren Berg stellen wir fest, daß unser weißes WoMo in der schwarzen Lavawüste leuchtet, wie eine Laterne. Egal, das wird jetzt durchgezogen...
Später bauen wir unser Zelt nahe eines ausgetrockneten Flußbettes auf. Ja, ich weiß... ich sagte: nahe bei, nicht darin! Die Häringe kann man mit dem Zeigefinger 10 cm tief im Sandboden versenken, den Wandersock noch viel weiter. Aber das Zelt bleibt irgendwie stehen. Absolut nervig ist der überall eindringende schwarze Sand. Er ist wirklich ÜBERALL! Selbst durch das Engmaschige Moskitogitter dringt er oben in das Zelt ein. Wir haben ständig ein Knirschen im Mund. Trotzdem schaffen wir es, ein Abendessen zuzubereiten und die Nacht gut zu verbringen. Der ständige Wind ist ziemlich gleichmäßig wird aber ab und zu durch kräftige Windböen ergänzt. Das sorgt für einen unruhigen Schlaf.
Tag 11, Montag, 23. August 1999, Sandwüste Odadahraun
Der Tag beginnt früh. Wir erwachen mit einem dunklen Staubüberzug im Gesicht. Schlechtgelaunt packen wir die vertaubten Sachen in die Rucksäcke: Was für eine Sauerei! Überall rieselt Sand heraus! Ich verstehe jetzt, warum die Isländischen Straftäter früher in diese Wüste geschickt wurden... Ich möchte jedenfalls keine weitere Nacht hier verbringen. Zurück am Auto machen wir uns auf den Weg zum Myvatn. Unser Tank ist so gut wie leer, unser Geldbeutel mit IsKr schon lange.
10:30Uhr: Reikjahlid am Myvatnsee Wir sind zurück in der Zivilisation: Das Radio findet einen Sender, die Straßen sind eben (Wenn auch nicht geteert) und eine Tankstelle haben wir ebenfalls ausgemacht. Wir tanken voll, denn heute wollen wir nach Akureyri, der kleinen Hauptstadt des Nordens. Die Strecke dorthin ist extrem windig und führt in die Berge. Ich benötige teilweise die ganze Fahrbahnbreite um den Mitsubishi auf Kurs zu halten. Dort angekommen, trifft mich an der Tankstelle der Schlag: Für 100 Kilometer haben wir 14,5 Liter Diesel verbraucht. Das ist mehr, als für die Sandpiste! Nach einem Stadtbummel wird uns Akureyri schnell langweilig, sodaß wir den nächsten Zeltplatz aufsuchen wollen. Der nähste ist jedoch nicht schön gelegen und außerdem ist es um 14:00 Uhr noch ein bißchen früh zum Einkehren (Selbst nach einer Nacht in der Wüste). Also fahren wir weiter in Richtung F821, der bekannten Sprengisandur-Piste. Wir stoßen auf keinen weiteren Campingplatz, also beschließen wir, die Hütte Laugafell im Hochland anzufahren. Die Fahrt verläuft zunächst zügig und auf guter Fahrbahn. Hinter Sandholar wird die Strecke jedoch schnell schlechter, steiler und steiniger. Wir befinden uns auf einer Straße, die einem groben Alpenpaß ähnelt. Die Steine, auf denen wir fahren sind spitz und recht grob. Teilweise fließt Wasser auf der Fahrbahn ins Tal. Wir schalten Allrad zu. Im großen und ganzen ist die Strecke problemlos machbar. Oben auf dem vermeintlichen Paß angekommen stelle ich fest: Das ist kein Paß, hier beginnt das flachere Hochland. Komisches Gefühl, wenn nach einer steilen Paßfahrt oben eine Ebene weitergeht... Wir fahren die üblichen Pisten, auf denen wir heute mehrmals von Sandstürmen heimgesucht werden. Um 17:30 Uhr kommen wir an der Laugfellhütte an. Wir sind die ersten und einzigen Gäste heute, sagt uns die Hüttenwirtin. Wir haben schon mal einen Finger in den bekannten Hotpool gehalten: Verlockend! Wenig später liegen wir im 30-40°C heißen Wasser und leeren eine Dose Weizenbier während außenherum ein Wind in unbekannter Stärke tobt.Ich glaube, in Deutschland würde man das Orkan nennen. Im heißen Wasser jedoch sitzt man, als ob man damit nichts zu tun hätte...
Tag 12, Dienstag, 24.8.1999 Sprengisandur (F 26) bis Landmannalaugar (250Km)
Wir stehen gegen 10:00 Uhr auf und machen uns gleich auf den Weg, die Restlichen ca. 90 Km nach Landmannalauger zu fahren. Die Piste ist furchtbar ruppig. Das Auto altert um Jahre. Über zig Kilometer nichts als Wellblech... Dazu noch eine recht eintönige Landschaft, die nicht zu guter Laune beiträgt. Schließlich stoßen wir auf eine „Oase“: Die Raststätte Nyidal mitten im Hochland: Sowas haben wir bisher noch nicht gesehen. Hier gibt es Diesel, Kaffe, Kuchen und Postkarten. Schön! Gut auch für unseren Tank. Das ermöglicht ein sorgenfreieres Fahren. Frisch gestärkt geht es nach einer halben Stunde weiter. Die Strecke zieht sich, aber wenigstens gibt es hier keine Sandstürme. An das Furten haben wir uns inzwischen gewöhnt. Mißtrauisch werde ich nur, wenn man den Grund des Flusses nicht sehen kann. Wir erklimmen per Allrad den Berg Kistualda und haben einigermaßen Fernsicht über diese stürmische Einöde hier. Es ist sehr windig und wir bekommen den ersten Regen auf Island ab. Es folgen viele Seen, Furten und Bäche bis wir schießlich in Landmannalaugar ankommen. Hier ist die Landschaft sehr viel interessanter: Bunte Ryholitberge schillern in allen möglichen Farben: Es gibt Berghänge, die komplett grün, gelb oder rot sind: Fantastisch! Der dortige Zeltplatz ist durch eine tiefe Doppelfurt zu erreichen. Das ist die Attraktion für Zuschauer! Des weiteren gibt es hier noch einen riesigen, sehr warmen Hot-Pool, der zum Verweilen einlädt. Der Platz erinnert mich irgendwie an Fotos vom Mount Everest Base-Camp: Überall sturmfeste Zelte, Outdoor-People und ein Flair von Abenteuer und Freiheit (Ohne Marlboro-Lagerfeuer). Wir machen gleich eine 3-stündige Berg- und Gipfeltour in die Umgebung: Hier hat man fast alles, was Island zu bieten hat: Lavafelder, Flußbetten, Berge, Aussicht, Schotter, dampfende Schwefeltöpfe und heiße Quellen. Kurzum: Landschaft pur - der bisher interessanteste Teil Islands! Wenn jetzt noch die Standheizung richtig funktionieren würde... Sie hat wohl Wasser geschuckt oder ist durch das Gerüttel arg mitgenommen worden.
Tag 13, Mittwoch, 25. August 1999, Landmannalaugar
Am späten Morgen brechen wir nochmal zu Fuß in die Berge auf. Mangels Wegbeschilderung verlassen wir uns auf unsere, vom Maßstab her ungünstige, Landkarte. Natürlich verirren wir uns in den unzähligen Schluchten, sodaß wir den angestrebten Berg nicht finden können. Nach zwei Stunden kehren wir wieder um. Wir müssen unzählige Male über den Bach, der in vielen Armen das ganze Tal ausfüllt, hinüberfurten: Eine anstrengende und feuchte Sache! Nach drei Stunden sind wir wieder am Auto und fahren in Richtung des Wasserfalls Ofaerufoss und Eldgja davon. Der Ofaerufoss soll ein Doppelwasserfall mit natürlicher, dünner Basaltbrücke davor, sein. Dort angekommen finden wir keine Brücke vor. Auf den Postkarten ist sie jedoch zu sehen. Später lesen wir in einem neueren Prospekt, daß die Brücke vor einigen Jahren eingestürzt sei. Aha! Weiter geht´s auf einer Genußstrecke für OFFroadfahrer in Richtung Eldgja, einer Vulkanspalte. Die gesamte Strecke ab Landmannalaugar ist ein Traum: sandige Wege, dutzende Furten, kaum befahren und nicht zu holprig...schön! Schließlich kommen wir nach 60 Km auf die Ringstraße und fahren in Richtung Südwesten auf die Hauptstadt Islands, Reykjavik, zu. Wir wollen morgen die Geysire anschauen. Übernachtet wird in der Ortschaft Vik (Südisland), wo ein netter Campingplatz zum Verweilen einlädt. Der nahegelegene schwarze Sandstrand zählt zu den Top 10 Sandstränden der Erde, las ich mal irgendwo. Schade, daß er nicht zum Baden oder Sonnen einläd...
Tag 14: Donnerstag, 26. August 1999, Dyrholaey
Der Campingplatz war doch nicht so berauschend: Kein warmes Wasser, das Duschen mußte ausfallen. Wir fahren zum nächsten Supermarkt (Der erste seit vielen Kilometern) und kaufen ein. Dann geht es weiter auf der Ringstraße in Richtung Westen. Dyrholaey liegt auf dem Weg. Dort gibt es Klippen, schwarzen Sandstrand bis zum Horizont und ein großes Felsentor, durch das sogar Boote durchfahren können. Einmal ist auch jemand mit einem Flugzeug unten durchgeflogen, sehr gewagt! Die kleine Höhle auf dem Weg dorthin ist jedoch Zeitverschwendung (3 Meter tief...)
Nach dem Frühstück geht es weiter zum Skogafoss, der 60 Meter in die Tiefe stürzt. Wir bekommen noch einen schönen Regenbogen gratis dazu. Hier in Südisland regnet es sehr viel häufiger, als im Norden. Trotzdem haben wir bisher noch keinen Tropfen gesehen. Wir stoßen im Trekkingführer auf eine Tour, die zwischen dem Eyjafjalla- und dem Myrdalsjökull über einen 1100 Meter hohen Paß verläuft. Dort ist im Text der Ausdruck „Jeep-Track“ zu lesen. Das macht uns neugierig. Wir finden den Bauernhof, hinter dessen Scheune der Track beginnt. Dazu müssen wir zwei Gatter öffnen. Die Bäuerin, die ich frage, versteht scheinbar nur Bahnhof, nickt aber zustimmend... Danach geht es gleich heftig zur Sache: Die Fahrspuren befinden sich in unterschiedlichen Höhen, der Bus fährt sich dort sehr kippelig. Wir halten uns seitlich fest und sind angeschnallt. Kopfgroße Steinbrocken säumen von nun an unseren Weg und wollen in 1-L (Erster Allrad-Gang, ca. 3 Km/h) überklettert werden. Häufig ist ein Teil der Strecke weggeschwemmt oder ausgehöhlt. Das ganze zieht sich über mehr als 10 Kilometer hin, mal besser, mal schlechter. Wir treffen unterwegs zwei verwunderte Wanderer, die uns gleich fotografieren. Zweimal bekommen wir Bodenkontakt mit 25-30 cm hohen ,spitzen Steinen. Unser Unterbodenschutz ziert nun deren Oberfläche. Sobald der Blick einmal ein paar Sekunden über die Landschaft schweift, übersieht man irgendeinen Steinbrocken oder eine hohe Felsstufe auf der Strecke. Das nenne ich OFF-ROAD! Ein ziemlicher Gegensatz zum bisherigen heizen auf Sand- und Schotterpisten (Was natürlich auch Spaß macht...). Wir kommen nur sehr langsam vorwärts.Die Kupplung hat heute viel zu tun. Nach 12 Kilometern stoßen wir auf eine Furt, die mir Angst einjagt: Man muß rechtwinklig in den Fluß einfahren, dann ca. 25 Meter gegen die Strömung um dann wieder im rechten Winkel aus dem Wasser herauszufahren. Das Ganze spielt sich bei Wassertiefen von mindestens 65 cm Tiefe ab. Dazu kommt noch, daß die unruhige Wasseroberfläche auf große Steinbrocken hindeutet, die auch am Rand überall herumliegen. Inzwischen sind wir richtige „Furtenkenner“ geworden: wir kommen überein, daß die Autotour hier enden sollte. (Man muß ja auch an die Heimreise denken und hier kommt SEHR SELTEN jemand vorbei...) Wir gehen über die Fußgängerbrücke per Pedes weiter und stellen fest, daß nach der Furt kaum noch Autospuren auf dem Weg sind (Warum wohl?). Eine Stunde später kommen wir in die Nähe der angestrebten Hütte und bemerken, daß sich die Gletscher, zu denen wir gelangen wollten, in zunehmenden Nebel (Oder Schneegestöber?) hüllen. Wir vertilgen unseren Proviant und machen uns auf den Rückweg. Den ganzen Nachmittag haben wir keinen Menschen hier oben angetroffen.
Später, wieder auf der Ringstraße fahren wir in Richtung Geysir, nach dem alle Springquellen der Welt ihren Namen bekommen haben. Wir campen auf einem armseligen Platz nahe des Strokkur-Geysirs. Dies ist der einzige Campingplatz, der auf der Strecke noch offen hatte. Duschen kann man im Hotel gegenüber, welches auch zwei Hotpool-becken anbieten (Ziemlich schlecht gemacht, aber zum Duschen OK). Die Dampfschwaden ziehen knapp am Campingplatz vorbei und verschleiern die Sicht. Es nieselt und wir bemitleiden unsere Nachbarn ungemein, die im Zelt schlafen.
Tag 15, Freitag, 27. August 1999 Reykjavik
Wir fotografieren und filmen den Strokkur. Leider hat sich das Wetter weiter verschlechtert, sodaß die Bilder einen regnerischen Hintergrund aufweisen. Die Gegend hier ist von Landwirtschaft geprägt und vergleichsweise nicht soo schön. Wir brechen auf nach Reykjavik. Hier leben 50% aller Isländer. Die Stadt ist sehr sauber, verfügt über zwei schöne Einkaufsstraßen, in denen wir auch fündig werden: Ich sehe ein kleines Antiquitätengeschäft und stoße sofort auf alte Landkarten im Schaufenster. Der Verkäufer, der sogar etwas Deutsch spricht, meint nach einem Kommentar von mir, die Sachen wären nicht teuer, es wäre nur viel Geld.. Da hat er zweifelsohne recht. Man kann hier alte Originallandkarten für Ein bis Zweitausend Mark kaufen. Wir entscheiden uns für ein altes Original der Färöer-Inseln. Wir zahlen in bar und in DM, sodaß wir fast 25% Rabatt herausschlagen können. Nach einem Essen im Mc Donald´s für 35.—DM fahren wir weiter in Richtung der Halbinsel Snaeffelsnes. „Island in einer Nußschale“ heißt es im Reiseführer. Wir dagegen sagen: „Island in Regen und Nebel“. Wir halten uns entlang der Küste, besuchen eine Lavahöhle, die erst seit kurzem bekannt ist, und treffen schließlich an einem einsamen Hotel in Buda ein. „Die schönste Bar Islands“ heißt es im Führer, und wir können das bestätigen. Man fühlt sich in´s vorige Jahrhundert zurückversetzt. Die Preise sind genauso saftig, wie das Fischfilet, das wir verspeisen. „Stary Ray“ heißt der Fisch, der auf dem Teller liegt. Das ist wohl eine Art „Glotzaugenrochen“ oder so... schmeckt aber sehr gut. Drei Stunden später verlassen wir den gastlichen Ort und fahren zum Nächtigen auf den Paß des Snaeffelsjökull, von dem Jules Vernes Roman „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ handelt. Dort soll sich der Eingang zur Unterwelt befinden.
Tag 16, Samstag, 28. August 1999 Snaeffelsnes-Langjökull
Am Morgen stellen wir fest, daß es immer noch regnet und verlassen die Halbinsel Snaefelsnes ohne den Gletschervulkan gesehen zu haben. Wir sahen nur ein paar Altschneefelder und Pistenraupenspuren, obwohl wir keinen Kilometer vom Gipfel entfernt waren. Die Halbinsel ist bestimmt schön anzuschauen, wenn dasWetter mitspielt... Berghänge, Wasserfälle, Küstenlinien mit Leuchttürmen, sowie Vulkanschlote deuten sich im Nebel aber nur an. Wir fahren die Piste F550, die zwischen dem Berg Ok, dem Langjökullgletscher und weiteren Gletschern verläuft. Diese Piste ist recht einfach zu befahren und führt durch schöne Landschaften. Furten gibt es keine. Manche sagen, die F550 wäre das „Hochland für Anfänger“. Kann man so sehen. Jedenfalls ist der Boden durch den Regen ziemlich matschig und unser L300 hat danach eine dunkelbraune Farbe. Wir kommen in Thingvellir an, wo wir gestern schon vorbeifuhren. Der Thingplatz (Versammlungsort der Isländer) interessiert uns nicht besonders. Außerdem gibt es auf dem hiesigen Campingplatz wieder keine Duschgelegenheit, sodaß wir weiterfahren. Die Isländer meinen wohl, wenn man ein Klohäuschen auf eine Wiese stellt, kann man das als Campingplatz bezeichnen... Die nächste Dusche befindet sich in Hella, haben wir telefonisch herausgefunden und fahren nun dorthin. Zwei Stunden später stehen wir auf dem bisher gepflegtesten und ansprechendsten Campingplatz Islands. (Richtige Duschkabinen, Aufenthaltsgebäude, Kochgebäude, und weitere Annehmlichkeiten findet man hier). Zur Info: Der Platz liegt vor Hella am Fluß und gehört zum Hotel Mosfell. Sicher trägt auch das inzwischen bessere Wetter zu unserer guten Laune bei (Oder ist es der mitgebrachte Bordeaux?). Heute haben wir fast 400 km abgespult.
Tag 17, Sonntag, 29. August 1999 Zu den Laki-Kratern
Heute fahren wir frisch gestärkt auf der Ringstraße Nr. 1 nach Osten. Wir möchten die Piste zu den Laki-Kratern unter die Räder nehmen. Die Laki Krater entstanden im 17.Jhdt. bei dem größten Vulkanausbruch Islands. Damals wurden 17 Kubikkilometer Lava freigesetzt und ein großer Teil der Bevölkerung Islands starb an den Folgen der Ausbrüche. Es entstanden auf 25 Kilometer über 100 Krater, die 1-2 Jahre aktiv waren. Nach der endloscheinenden Küstenlandschaft, die sich hinter der Ortschaft Vik auftut, stoßen wir auf die Abzweigung nach Laki. Nach 5 Kilometern essen wir erstmal zu Mittag. Wenig später geht es weiter auf der Piste. Fährt sich recht gut hier: kaum Wellblech, stattdessen viele spitze Steine im Pflastersteinformat. Zwei Stunden später kommen wir an den Lakivulkanen an und sind von der Umgebung sehr angetan. Warum steht in den Reiseführern so wenig darüber? Wir halten diese Gegend für unbedingt sehenswert: Krater an Krater reihen sich bis zum Horizont. Dabei hat jeder ca. 100 Meter Durchmesser und unterschiedliche Farben. Wir besteigen den Berg Laki, der nebenan liegt (ca. 800 Meter hoch). Von dort aus hat man prima die gesamte Umgebung im Blickfeld. Die Sonne schickt einzelne Strahlen in das Kratergebiet und erzeugt Farben, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Wir versuchen, das fotografisch festzuhalten und steigen danach wieder hinab zum Auto. Die Piste führt nun auf einen nahen Aussichtsberg, der allerdings mit dem Berg Laki nicht mithalten kann: Man muß halt doch aussteigen und selber laufen, um mehr zu sehen! Die Piste ist hier recht steil und voller Steine. Oben angekommen treffen wir auf einen Nissanfahrer, der uns den Rest der Strecke begleiten wird. Wir beschließen, eine andere Route zurück zur Ringstraße zu nehmen. Diese Route wird im Offroadbuch als gefährlich und nur im Konvoi zu befahren ausgewiesen. Wir stellen fest, daß es die schönere Strecke ist. Sowohl Landschaftlich, als auch Fahrtechnisch. OK, es sind ein paar Auswaschungen und Lavabrocken vorhanden, aber dafür hat man schließlich den Geländewagen dabei, oder? Wir fahren durch weichen, tiefschwarzen Lavasand. 250 Meter neben uns befindet sich die mit grellen Moosen bewachsene Laki-Kraterreihe. Die Sonne scheint so hell, daß man bei diesem Kontrast zeitweise die schwarze Piste nicht richtig sieht. Ich würde die Laki-Vulkane vom landschaftlichen Reiz her mit Landmanalaugar gleichstellen. Zu den ca. 8-10 Furten auf dieser Strecke ist zu sagen: Keine ist tiefer als 40-50 cm, kein Treibsand, also Keine Gefahr! (Wenn auch im Offroadführer anders beschrieben, oder haben wir einen EXTREM trockenen Sommer erwischt? Gestern hat es aber auch hier geregnet) Lediglich auf der Rückfahrt (Zweite Piste) kamen wir durch eine uns unbekannte Furt, bei der das Auto trotz 1-L Gang fast abgewürgt wurde, und das mitten im Flußbett! Wir waren auf einen im Wasser liegenden, unsichtbaren großen Lavabrocken aufgefahren – ein kurzer Schreck, aber kein echtes Problem! Nach insgesamt 125 Pistenkilometern und einem Tagespensum von fast 400 Kilometern kommen wir in Kirkjubaerklaustur II (Irgendwie schön, der Name!) auf einem Campingplatz an, der uns (Wie der von gestern) rundum zufriedenstellt und noch dazu zu den günstigsten unseres Urlaubs gehört.
Einer meiner Lieblingsplätze: Die Laki-Spalte
Natur pur, keine Touristen, unverfälschte Landschaft!
Tag 18, Montag, 30.8.1999 Kirkjubaerklaustur
Um 10:00 Uhr morgens weckt uns eine freche Sonne. Sind wir etwa zu Hause in Deutschland? Es wird fast ungemütlich warm im Schlafsack... Wir stehen also auf und beschließen, die Wanderung zum Kirchenpflaster, einer Gesteinsformation, zu machen. Wir fahren an das Westliche Ende des Dorfes und steigen neben dem Wasserfall den Berg hinauf. Weiter geht es an einem See entlang in Alpenähnlicher Landschaft. Eine Stunde später steigen wir den Berg wieder hinunter und sehen einen Parkplatz mit der Aufschrift „Kirkjugolf = Kirchenpflaster“. Wir stellen außerdem fest, daß sich unser Ziel ca. 500 Meter neben unserem Zeltplatz befindet. Leicht verstimmt machen wir uns auf den Weg quer durch die Ortschaft, wo unser Auto steht... Weiter geht es auf der Ringstraßé zum Jökulsarlon, dem Gletschersee, in dem Eisberge schwimmen sollen. Wir schauen uns aber vorher noch einen Gletscher aus der Nähe an. Natürlich treffen wir dort bekannte Gesichter und Fahrzeuge aus von der Fährüberfahrt. Ich habe das Gefühl, daß sich die Touristen langsam auf den Südosten Islands konzentrieren, um rechtzeitig bei der Fähre zu sein. Nach ein bis zwei Stunden Gletschertour fahren wir weiter. Zusammen mit ein paar aufgelesenen tschechischen Trampern sehen wir uns einen kleineren Gletschersee im Hinterland an. Auch dort schwimmen Eisberge herum. Der Jökulsarlon ist natürlich um einiges größer. Dort schwimmen fast Hausgroße Brocken und treiben auf´s offene Meer hinaus. Der Abfluß befindet sich unter einer Brücke, wo die starke Strömung die Eisberge mit sich reißt und sich überschlagen läßt. Wir machen eine Bootsfahrt mit einem Amphibienfahrzeug und sehen uns die Monstren in ihrer natürlichen Umgebung an. Leider sehen wir nicht, wie sich einer umdreht oder auseinanderbricht. Später gehen wir am schwarzen Lavastrand entlang, wo Eisbrocken jeglicher Größe glitzernd wie Edelsteine herumliegen. Bei dem Versuch, mit einer Eisscholle nach Amerika zu schwimmen, büße ich das linke Glas meiner Brille ein. Es ist ziemlich schwierig, ein Stück Glas im Wasser zu finden, in dem noch Eisstücke treiben... Wir geben schließlich auf und fahren nach Stafafell, wo wir die einzigen Gäste auf dem Campingplatz sind. Auch nicht schlecht!
Tag 19, Dienstag. 31.8.1999 Jökulsarlon
Am Morgen bezahlen wir unser Quartier und begeben uns langsam, aber sicher auf den Weg zum Fährhafen. Wir nehmen eine „Abkürzung“, den Öxi-Pass, welches unsere letzte richtige Offroad-Unternehmung sein sollte. Die Piste zieht sich ziemlich in die Länge. Sie ist teilweise sehr steil und wartet auch mit einigen Wasserläufen auf. Alles in allem eine letzte Genußtour durch das Land aus Feuer und Eis. Die Aussicht ist wegen des Nebels aber auf 50 Meter begrenzt. Erst zum Ende der Piste hin lichtet sich der Vorhang und gibt den Blick auf schroffe Berghänge und grüne Moosflächen frei. Laut Offroadbuch erwartet uns kurz vor dem Ende eine tiefe, stufige Furt duch einen Gletscherbach. Diese ist jedoch durch ein großes Rohr „entschärft“ worden. Dafür sehen wir einige Kilometer zuvor eine ebenso entschärfte Furt, die jedoch von Jeepfahrern neben der Verrohrung wiederhergestellt, sprich fahrbar gemacht worden ist. Ich schätze die Wassertiefe auf mindestens 60 cm. Dazu geht es noch in ziemlich steilem Winkel hinein. Unser Mitsubishi quittiert das mit zwei lauten, metallischen Krachern, die sich nach Hinterachse anhören. Aber wir kommen trotz allem heil davon... Später erreichen wir Egilstadir, wo wir tanken und uns ein bißchen umsehen. Die Siedlung hat das Flair einer Autobahnraststätte, also fahren wir weiter. Ich sehe auf der Karte in Richtung Seydisfjördur-Fjord eine Piste an deren Ende sich ein Leuchtturm befindet. Vielleicht kann man um das Kap herumfahren? 50 Kilometer Berg-, Tal-, und Fjordfahrt später stellt sich heraus: Am Leuchtturm ist wirklich Schluß! Also fahren wir ein Stück zurück und verbringen die Nacht neben einem Bächlein, das unterhalb in´s Meer fließt. Wir haben Sonne und die Aussicht auf das Gegenüberliegende Fjordufer, welches völlig unangetastet und unbewohnt in der Abendsonne liegt. Haben schon einmal Menschen ihren Fuß dorthingesetzt? Auf unserer Seite schlängelt sich eine kleine Pistenartige Straße den Berghang entlang und beschert uns 1-2 vorbeikommende Autos in der Nacht. Das kann man akzeptieren! Abends stellen wir fest, daß die Stanheizung zum zweiten Mal Wasser geschluckt hat und somit für heute ausfallen wird. Uns ist in den Schlafsäcken aber dennoch mollig warm.
Sehr beeindruckend: Eisberge treiben in´s Meer und schmelzen auf schwarzem Lavastrand. Super Fotogen!!
Tag 20, Mittwoch, 1. September 1999 Egilsstadir
Am Morgen werden wir wieder von einer 20°C warmen Sonne geweckt. Dazu noch das Rauschen des Baches, der 5 Meter entfernt liegt... Ich wechsele eine Scheinwerferglühbirne (Habe ja gleich gewußt: Das kommt davon, wenn man den ganzen Tag mit Licht fahren muß!) während Petra sich um´s Frühstück kümmert. So gegen 11:30 Uhr fahren wir den Rest der Strecke zurück nach Egilsstadir, wo wir den heutigen Tag mangels Sehenswürdigkeiten verbringen werden. Nach einem Einkauf gehen wir in´s Ortsschwimmbad. Die Glastüre hinter der Dusche ist so hell erleuchtet, mir kommt da ein Verdacht: Tatsächlich, es ist ein Freibad... Fröstelnd prüfen wir die Wassertemperatur. Es scheint angenehm warm zu sein (Oder täuscht das bei der Außentemperatur und dem Wind?). Nebenan gibt es noch zwei Whirlpools mit je 39-40°C Wassertemperatur. Sehr angenehm, die Isländischen Schwimmbäder. Die Tramper, die wir gestern aufgelesen hatten, waren schon vor uns da (Wir haben sie noch öfters getroffen und sie waren IMMER ÜBERALL schon vor uns da – Vielleicht sollten wir nächsts Mal auch trampen?). Nach zwei Stunden kommen wir total erhitzt wieder am Auto an und fahren auf den einzigen, noch geöffneten Campingplatz (Natürlich auch mit Pool...). Hier sitzen wir in der Abendsonne und entspannen uns ein letztes Mal auf Isländischem Boden: Morgen Früh geht es zur Fähre.
Tag 21: Donnerstag, 2.9.1999, Seydisfjördur
Wir machen uns auf zum Fährhafen. Unterwegs sehen wir jede Menge deutscher Autos, die den gleichen Weg vor sich haben. Alle fahren langsam und versuchen, die letzten Meter Islands in sich aufzusaugen. Es werden nochmal Berge, Täler und Wasserfälle fotografiert... Am Hafen angekommen reihen wir uns in die Warteschlange ein, die quer durch den ganzen Ort geht.
Wir sind auf hoher See. Der Seegang auf der Hinfahrt war nur spaß im Vergleich zu dem, was jetzt draußen vorgeht: 4-6 Meter hohe Wellen schlagen seitlich an die Norröna, sodaß das ganze Schiff erzittert. Im Freien nimmt einem Gischt jede Aussicht und man bekommt die Türen in´s Innere des Schiffs kaum auf. Hat man es dann doch geschafft, bläst einem der Wind in die Gänge, daß man sich vorkommt, wie bei Moby Dick. Nachts höre ich ein paar Autoalarmanlagen unter Deck, die wegen der Schiffsneigung oder der Stöße losgehen. Wir legen alle empfindlichen Sachen gleich auf den Boden, weil sie ja doch herunterfallen würden. Man kann diese Umstände am besten im Bett liegend ertragen, sodaß wir bis 9:00 Uhr durchschlafen.
Tag 22, Freitag, 3. September 1999 Torshavn, Faröer-Inseln
Nanu? Das Schiff liegt so still im Wasser? Ach ja, der Zwischenstop auf den Faröern. Es ist natürlich regnerisch draußen. Wir gehen zum Frühstücksbuffet und stärken uns erst einmal. Man muß schließlich die ruhige Lage des Schiffes ausnutzen, wenn man etwas zu sich nehmen will. So gegen 9:00Uhr (Faröer-Zeit) laufen wir wieder aus mit dem Ziel Hanstholn, Dänemark.
Tag 23, Samstag, 4. September 1999 Nähe Shetland-Inseln
Weiter geht die endlos scheinende Fahrt mit der Fähre. Langsam geht mir der Lesestoff aus. Die Kabine scheint immer kleiner zu werden, unseren Mägen geht es wieder etwas besser. Nach einem ausgedehnten Frühstück sieht die Welt auch nicht viel besser aus: Immer noch 8 Stunden Fahrt bei 35 Km/h...
16:00 Uhr Hanstholm
Endlich! Wir sitzen in unserem Fahrzeug und versuchen rückwärts aus der Fähre herauszufahren, was besser klappt, als beim ersten Mal. Ich kann nur wiederholen: Man wird hier von allen Seiten bis auf 2 cm eingeparkt... So, geschafft! Jetzt geht es schnell noch die 1000 km nach Hause, wo Arbeit und Streß warten...
Zeit, Bilanz zu ziehen: Wir haben laut GPS 500 Kilometer auf den Färöern zurückgelegt und über 3000 km auf Island (Davon ca. 400-500 auf Offroadpisten). Die An- und Abfahrt von und nach Hanstholm verschlang über 2000 Kilometer (Mit kleinen Umwegen bei der Anfahrt). Treibstoffverbrauch Autobahn 90-110 km/h : 12.5 Liter Diesel Sandpiste 14.5 Liter Diesel Andere Pisten bis 15.0 Liter Diesel 0.5 Liter Motoröl nachgefüllt. Standheizung 2 Mal voll Wasser gelaufen 1 Glühbirne verbraten. Bergematerial, Sandbleche, etc wären nicht nötig gewesen.
Man kann sagen, in Island ist Offroadmäßig ziemlich alles erlaubt, wenn man sich nicht gerade in einem Nationalpark befindet. Von den Straßen zweigen alle hundert Meter irgendwelche „wilden“ Pisten nach rechts oder links ab: Hier scheint jeder hinzufahren, wo er will. Man kann am schwarzen Lavasandstrand entlangfahren oder Flüsse furten, wo es beliebt (Wenn man sich traut). Die Isländer selbst nehmen ziemlich wenig Rücksicht auf ihre Natur. (Vielleicht, weil es nicht so viele Isländer pro km^2 gibt, wie Deutsche bei uns...)
Ich würde wieder in den letzten Augustwochen dorthinfahren, weil alle Pisten in´s Hochland geöffnet waren. Das Wetter mag früher etwas besser sein, aber kommt es auf 2-3°C an? Kühl und windig ist es sowieso... Man muß eben die richtige Kleidung (Stirnband, Mütze,...) mitnehmen. Ich würde Island nicht als soo unberechenbar wild, gefährlich und extrem beschreiben, wie es in manchen Reiseführern getan wird (Vielleicht Geschmackssache?). Man kann zum Beispiel ohne weiteres trampen oder mit Hochlandbussen vorankommen. Radfahren und Zelten in Island halte ich allerdings nur für Extremisten für ratsam: Ich habe Radfahrer auf geteerten Straßen, durch Windböen erfaßt, auf die Schnau.... fliegen sehen – wie fährt man dann im Hochland? Dort schieben sie meistens und wollen mitleidig bestaunt werden. Dazu kommt noch der extreme Staub, die Flußfurten (Meist mehr als Knietief, 2-3°C, reißend) und die Rüttelpisten, die sich bis zum Horizont erstrecken. Ich würde als Reisefahrzeug doch zum Auto (4X4) oder zur Hardenduro raten. Die Ringstraße hat oft eine Qualität, die mit unseren Feldwegen zu vergleichen ist. Die Preise sind, außer für Diesel, ingesamt sehr hoch: Campingplatz (2Pers.) 20-25.—DM Duschen meist extra 1 Bier 0.33 Tuborg, in einer Kneipe am Abend: 8-10.—DM Guter Rotwein im Plastikkanister, 5 Liter im Alkoholgeschäft: ca.200.--DM 1 Brot 500g ca. 5-6.—DM 1 Fertigkuchen ca 500g bis 15.—DM 2 Liter Cola 6-8.—DM
Wir hoffen, daß Euch unsere Islandseite gefallen hat, und würden uns über einen Kommentar dazu freuen! Es grüßen Jürgen+Petra Baumann, Nachdruck, auch Auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors! ©1999 JB



















